Paar und Sprache. Linguistische Aspekte der Zweierbeziehung

Leisi, Ernst

Heidelberg: Quelle & Meyer (UTB) 1978

 

Leisi beschäftigt sich mit folgenden sprachlichen Aspekten, die ihm für das Thema Paarbeziehung wichtig erscheinen: "Der Privatcode", "Sprache als erotisches Stimulans", "Lieben nach Texten", "Störungen", "Sprache und Erinnerung".

In Kapitel 1 stellt er fest, dass Paare unter sich eine eigene besondere Sprache verwenden, und bezeichnet diese als Privatcode. Dieser Privatcode verändert und entwickelt sich natürlich während der Beziehung. Dazu gehören die Um- und Neubenennung von Menschen, Dingen und Vorgängen. Es handelt sich um Ausdrücke und Bedeutungen, die nur den Partnern gehören. Sie geben einander z.B. neue Namen.

Als nächstes betrachtet Leisi die erotische Wirkung der Sprache; sie kann erregend wirken, aber auch stark abkühlend. Für das Gelingen einer glücklichen erotischen Beziehung spielt die Sprache eine sehr wichtige Rolle. Außerdem geht er in diesem zweiten Kapitel noch auf verschiedene Arten von Komplimenten, Beruhigung und Beunruhigung des Partners mit der Sprache und das Schreiben von Liebesbriefen und —gedichten ein.

Im dritten Kapitel spricht Leisi das Thema "Lieben nach Texten" an und erklärt, dass das Lieben oft nichts völlig Individuelles ist, sondern sich an vorhandene sprachliche Muster zum Beispiel aus Romanen und Gedichten anlehnt. Mit diesen Mustern, die die Literatur vorgibt, können die Partner sich oft gut identifizieren. Außerdem enthält die Literatur Chiffren, also sprachliche Formulierungen, die die Partner zur Erweiterung ihres Privatcodes aufnehmen. Hierbei unterscheidet er den gesamthaften Nachvollzug, bei dem die Partner ganze Beziehungsstrukturen aufgreifen, und den punktuellen Nachvollzug, bei dem nur eine sprachliche Formel oder ein Gefühl nachvollzogen wird.

Anschließend untersucht Leisi die Störungen einer Beziehung, die häufig sprachliche Ursachen haben. Bei solchen Störungen kann es sich zum Beispiel um Code-Verschiedenheiten handeln, die meist auf der lautlichen oder lexikalisch-semantischen Ebene vorkommen. Weiterhin kann es sich um Störungen im Sprechakt handeln.

Im fünften und letzten Kapitel widmet Leisi sich der Erinnerung, mit der die Sprache bei länger dauernden Beziehungen eine besondere Bedeutung gewinnt. Gemeinsam geschaffene Formulierungen können die Beziehung frisch halten.

Die vielen Zitate, die Leisi verwendet, machen sein Buch interessant und lebendig. Der Leser kann im Großen und Ganzen in diesem Buch viel über die verschiedenen Bedeutungen, die Sprache innerhalb einer Beziehung haben kann, erfahren. Durch dieses Buch wird der Leser dazu angeregt, seinem Gebrauch der Sprache und der Sprache des Partners mehr Bedeutung zu geben und aufmerksamer damit umzugehen. Es wird deutlich, wie wichtig das Miteinandersprechen in einer Beziehung ist.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Katrin Mayer. Jahr: 2000

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