Orientierung Linguistik. Was sie kann, was sie will

Geier, Manfred

Reinbek: rororo 1998

 

Das vorliegende Buch gibt einen genauen Überblick über die Linguistik als Wissenschaft und als Studienfach. Außerdem werden Grundlagenbücher genannt:

  • Wilhelm v. Humboldt: Schriften zur Sprachphilosophie. Darmstadt 1963.
  • Ferdinand de Saussure: Grundlagen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin 1967.
  • Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen. Frankfurt/M. 1960.
  • Roman Jakobson: Grundlagen der Sprache. Berlin 1960.
  • Noam Chomsky: Aspekte der Syntax-Theorie. Frankfurt 1969.

Im ersten Kapitel geht der Autor auf die "Sprachwissenschaft als Studienfach" ein und behandelt dabei das Thema "Lehrangebote und Lernanforderungen", wobei er auch Schwierigkeiten des Studiums aufzeigt. Im zweiten Kapitel beschäftigt er sich mit Ferdinand de Saussure als dem Begründer der modernen Sprachwissenschaft, um dann im dritten Kapitel auf die heutigen Strömungen in der Sprachwissenschaft einzugehen. Dabei bezieht er auch neue Medien (Computer, Internet) mit ein. Das vierte Kapitel führt in die Wissenschaftstheorie unter dem Blickwinkel der Sprachwissenschaft ein. Einen geschichtlichen Überblick über das Fach gibt das fünfte Kapitel, wobei der Autor nicht nur die deutsche Sprachwissenschaft betrachtet, sondern auch auf Europa und Amerika eingeht.

Die Kapitel werden am Ende nicht zusammengefaßt, da der Inhalt eher informativen Charakter hat. Die Sprache ist einfach und verständlich; der Autor benutzt zum Teil umgangssprachliche Ausdrücke. Das Buch lenkt den Leser und ermöglicht ihm durch die einfache Sprache, die komplexen Thematiken schnell zu erfassen.

Am Beispiel des zweiten Kapitels wird der generelle Aufbau des Buches deutlich:

 

  • Wie Ferdinand de Saussure die Linguistik begründet hat
  • Einige Grundlagen und die revolutionäre Wirkung 29
  • Die Ausgangssituation 29
  • Einen neuen Anfang wagen 33
  • Die Sprache als System von Zeichen 37
  • Keine Einheiten ohne System 40
  • Die zwei Achsen der Sprache 43
  • Sprachveränderung und Sprachzustand 45
  • Saussures Problem 47

 

Die einzelnen Kapitel enthalten neben dem Titel einen Untertitel sowie ein Zitat, welches den Leser in die Thematik des Kapitels einführt. Dem Verständnis des uninformierten Lesers entziehen sich die Überschriften der einzelnen Abschnitte. Sie können erst nach der Lektüre des Abschnittes verstanden und in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden. Beim zweiten Lesen jedoch helfen die Abschnittsüberschriften, den Text zu rekapitulieren und einzuordnen.

Wie der Autor am Ende seines Vorwortes erklärt, ist dieses Buch als "Orientierungshilfe für Schüler/innen, die sich überlegen, ob und was sie studieren wollen," (S. 9) gedacht. Folglich soll das Buch der Entscheidungshilfe dienen, ob Sprachwissenschaft bzw. Germanistik das Studienfach der Wahl sein soll. Genau hier fehlt jedoch der Hinweis, dass ein Studium der Germanistik nicht nur das Studium der Sprachwissenschaften umfasst, sondern auch Literaturwissenschaft und Mediävistik als gleichberechtigte Teilbereiche enthält. Als Begleitbuch zu obligatorischen Grundkursen im Studium ist es nur bedingt geeignet, da es sich nicht auf konkrete Inhalte der Linguistik (z.B. Syntax: Was ist ein Satz?) bezieht, sondern allgemeine Züge der Linguistik beleuchtet. Es sollte somit vor Studienbeginn gelesen sein.

Besonders zu erwähnen ist der Anhang, der eine Übersicht über weitere Literatur sowie Internetseiten gibt und für Studierende sehr zu empfehlen ist.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Alexandra Bremkens. Jahr: 2000

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