Natürlicher Zweitspracherwerb bei Arbeitsimmigranten. Eine Langzeituntersuchung

Rieck, Bert-Olaf

Verlag Peter Lang. Frankfurt am Main 1989

 

Rieck stellt in dieser Publikation den Prozeß des Zweitspracherwerbs bei Arbeitsimmigranten und seine verschiedenen Entwicklungsstufen dar.

In einer sechsjährigen empirischen Untersuchung beobachtete er neun spanische Arbeitsimmigranten, die zwischen 1963 und 1972 erstmalig in die Bundesrepublik Deutschland eingewandert waren, und verfolgte ihre Entwicklung im Zweitspracherwerb. Es wird besonders hervorgehoben, daß es sich um den "natürlichen" Erwerb handelt, d.h. außerhalb jeglichen Sprachunterrichts.

Anfangs klärt er erst einmal die Fragen: ob der Zweitspracherwerb bei Erwachsenen und Kindern in unterschiedlicher Weise verläuft; welche Rolle individuelle und Umgebungsfaktoren (Alter, Ausbildung, Sozialstatus, Motivation etc.) spielen; ob äußere Erwerbsumstände die Lerngeschwindigkeit und den Spracherwerbsprozeß beeinflussen, und wie lange der Lernprozeß in der Zukunft fortdauert. Folglich setzt er sich zum Ziel, auf empirischer Basis zu erörtern, bei welchen Lernern, unter welchen Bedingungen und auf welchen Ebenen Lernfortschritte und Stabilisierungen der Sprache zu beobachten sind. Den inhaltlichen Schwerpunkt seiner Abhandlung bilden die in regelmäßigen Zeitabständen anhand von Interviews durchgeführten Prüfungen der Lerner. Die daraus resultierenden Entwicklungsstufen der Zweitsprache nennt Rieck die "Interimsprache", mit deren Hilfe er seine Studie erläutert und aufbaut.

Kapitel 2 bis 5 geben einen Überblick über die wichtigsten Arbeiten zum Zweitspracherwerb von Erwachsenen, werten diese aus, stellen die Ergebnisse dar und beleuchten sie im Zusammenhang mit verschieden Theorien und Hypothesen. Innerhalb der Kapitel erfolgt eine weitere Unterteilung in die Zielsprachen Englisch, Niederländisch und Deutsch.

Das Ergebnis der Ausführungen zeigt, daß der Lernerfolg der neun Arbeitsimmigranten abhängig ist von

  • schulischen/grammatischen Kenntnissen der Muttersprache
  • äußeren Umständen (Alter, Ausbildung, Motivation, Sozialstatus etc.)
  • den Bedingungen der Erwerbstätigkeit
  • Vorkenntnissen der Zielsprache.

Weiterhin beschreibt der Autor die Festigung der "Interimsprache" im Prozeß des Zweitspracherwerbs.

Die Ausführungen dieser empirischen Studie sind übersichtlich und für den Leser nachvollziehbar gegliedert. Der sechsjährige Zeitraum, in dem die Untersuchung stattfand, und die Berücksichtigung der sozialen Hintergründe der Zweitsprachenlerner wecken das Interesse des Lesers an dieser Studie.

Rieck verwendet jedoch sehr viele Fremdwörter, die es einem Laien oder sogar einem angehenden Linguisten unmöglich machen, seine Ausführungen flüssig zu lesen, ohne ein zusätzliches Wörterbuch hinzuzuziehen. Aus diesem Grunde halte ich dieses Buch für nicht geeignet, um in das Thema des Zweitspracherwerbs bei Arbeitsimmigranten einzusteigen und sich einzulesen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Hasret Akman . Jahr: 1997

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