Markennamen, sprachliche Strukturen, Ähnlichkeit und Verwechselbarkeit. Ein Beitrag zur forensischen Linguistik des Markenrechts

Stoll, Kai-Uwe

Frankfurt/M.: Lang 1999

 

In seiner Dissertation beschäftigt sich Kai-Uwe Stoll anhand vieler Beispiele mit der sprachlichen Struktur von Markennamen, deren Ursprung und Ähnlichkeit. Hierzu bietet er moderne Analyseverfahren der Linguistik an, die interdisziplinär, d.h. sowohl in der Linguistik, der Psycholinguistik oder weiterführend im Markenrecht, genutzt werden können.

Im einleitenden ersten Kapitel erläutert der Autor, wie sich sein Interesse an der Analyse von Markennamen begründet; und er führt kurz in die Gliederung der Arbeit ein. Das zweite Kapitel gibt einen Überblick über die Forensische Linguistik, also die wissenschaftliche Anwendung von Linguistik in der Rechtsfindung und der Rechtsprechung. Dabei wird unter anderem die Gutachtertätigkeit von Linguisten erläutert, z.B. bezüglich sprachlicher Probleme als Gegenstand urheberrechtlicher Gesetze. Es werden aber auch Untersuchungsgebiete vorgestellt wie z.B. das Teilgebiet "Einfluß der Sprache auf Aussagen von Augenzeugen", das der eher amerikanisch geprägten Richtung der forensischen Linguistik von Sprachverhalten im Gerichtssaal zuzuordnen ist. Das dritte Kapitel "Linguistisch relevante Aspekte des Markenrechts" behandelt die Verbindung zwischen Marken- oder Warenzeichenrecht und Linguistik. Der Autor erläutert die Anwendung von Linguistik in der Rechtsprechung, beispielsweise die Untersuchung auf Verwechselbarkeit von Markennamen , erwähnt aber auch kritische Stimmen, die der Linguistik in Fragen des Markenrechtes vorwerfen, sie ginge am allgemeinen Sprachverständnis eines nichtlinguistisch vorgebildeten Verbrauchers vorbei.

Das vierte Kapitel "Markennamen in der Perspektive der Linguistik: Forschungsaspekte und Desiderate" ist eher allgemein gehalten. Es gibt einen Überblick über den Stand der linguistischen  Erforschung von Markennamen und stellt im Hinblick auf die folgenden Kapitel Untersuchungsgebiete wie z.B. Konstruktion, Design und Etymologie von Zeichen vor. Das fünfte und zweitlängste Kapitel über "Linguistische Analyse der Struktur von Markennamen" taucht nun tief in das Arbeitsfeld Analyse ein und bearbeitet Problemstellungen wie Konstruktionsmechanismen und Werbewirksamkeit, linguistische Ebenen wie Morphologie, Phonologie sowie einhergehende Strukturanalyse anhand vieler Beispiele. Das sechste und umfangreichste Kapitel über "Sprachliche Ähnlichkeit und Verwechslung" liefert einen Überblick darüber, wie Ähnlichkeit und Verwechslung von Wörtern im Allgemeinen linguistisch begründet sind, und wendet diese Erkenntnisse im Einzelnen auf viele Beispiele von Markennamen an. Das abschließende siebte Kapitel "Resümee und Ausblick" liefert eine kurze Zusammenfassung. Im Anhang findet man die Bibliographie und alle in der Arbeit benutzten Markennamen alphabetisch geordnet und für Nichtkenner erläutert.

Hier liegt uns eine linguistische Dissertation vor, die aufgrund ihres populär gewählten Themas durchaus universitätsübergreifenden Charakter besitzt. So ist zwar, wie es die Natur einer Dissertation ist, der Anspruch ein höchst wissenschaftlicher, aber selbst der linguistisch ungebildete Laie kann zumindest interessiert und durchaus ertragreich in den Kapiteln umherblättern, zum Beispiel wenn der Autor solche Perlen enthüllt, wie dass der Markenname "Audi" die lateinische Variante des Nachnamens des Konstrukteurs Horch ist.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Bianca Patzelt. Jahr: 2002

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