Linguistisches Grundwissen. Eine Einführung für zukünftige Deutschlehrer

Clément, Danièle

Opladen: Westdeutscher Verlag 1996

 

Dieses Lehrbuch soll zukünftige Deutschlehrer in die Begriffswelt der Sprachwissenschaft einführen. Die Leser sollen lernen, Grundbegriffe der Sprachwissenschaft in ihren Zusammenhang einzuordnen, um sprachliche Erscheinungen wissenschaftlich analysieren zu können. Die Verfasserin hat dabei darauf geachtet, den Text terminologisch konsequent, aber doch verständlich und nicht zu technisch darzustellen. Der Stoff umfasst alles, was jeder zukünftige Deutschlehrer (auch in der Grundschule) an Sprachwissenschaft allermindestens wissen sollte. Das Buch ist weniger zum Selbststudium gedacht als vielmehr als Begleitbuch zu sprachwissenschaftlichen Einführungsveranstaltungen. Um dem Leser das Lernen und Einprägen des Stoffes zu erleichtern, hat die Verfasserin viel Illustrationsmaterial einbezogen.

Mit den ersten fünf Kapiteln widmet sich der größte Teil des Buches den Kernbereichen der Linguistik (Wortschatz, Syntax, Morphologie, Semantik, Phonologie), während psycholinguistische und soziolinguistische Themen in Kapitel sechs und sieben nur kurz angesprochen werden. Jedes Kapitel endet mit verschiedenartigen Übungen; Lösungsvorschläge werden nicht gegeben. In jedem Kapitel wird mit vielen Beispielen aus dem alltäglichen Leben gearbeitet, wie Graffiti, Witzen oder Werbesprüchen.

Das erste Kapitel „Der Wortschatz“ fragt zunächst, was unter dem Begriff „Wort“ eigentlich verstanden wird. Der Wortschatz einer Sprache unterliegt ständig Veränderungen, besonders durch den Einfluß anderer Sprachen. In diesem Zusammenhang wird diskutiert, ob Fremdwörter zum deutschen Wortschatz gehören und welche Faktoren zur Integration eines ursprünglich fremden Wortes in die deutsche Sprache beitragen. Sodann wird besprochen, nach welchen Gesichtspunkten der Wortschatz einer Sprache strukturiert werden kann. Zum Schluß werden die Beziehungen zwischen den Bestandteilen eines komplexen Wortes und die Beziehungen zwischen den Teilen eines Satzes verglichen.

Im zweiten Kapitel „Syntax“ werden Grundlagen der Syntaxforschung vermittelt, und es wird gezeigt, wie syntaktische Analysen von Sätzen durchgeführt werden. Dabei wird kurz auf die Generative Grammatik eingegangen; genauer werden aber die Dependenz- und die Konstituentengrammatik erklärt. - Im Kapitel „Morphologie“ wird die Veränderlichkeit der Wörter beschrieben. Es wird darauf eingegangen, wie komplex und wie ökonomisch das System der deutschen Morphologie ist. Abschließend wird noch auf die Wortstellung eingegangen.

Im vierten Kapitel über „Bedeutung und Verstehen“ wird zunächst beschrieben, was Bedeutung überhaupt ist. Danach wird genauer auf die Satzsemantik eingegangen. Schließlich wird gezeigt, wie Prozesse des Verstehens ablaufen. Insgesamt wird hier die Komplexität des Verstehens und des Kommunizierens vorgeführt. - Kapitel fünf „Die Lautstruktur der Sprache: Phonetik und Phonologie“ skizziert die wichtigsten Vorgänge bei der Artikulation deutscher Laute. Die Begriffe Phonetik und Phonologie werden definiert und in Beziehung gesetzt. Außerdem wird auf die Beziehung zwischen Lautstruktur und (Recht-)schreibung eingegangen, und es werden regionale Varietäten in der Lautstruktur aufgezeigt.

Das sechste Kapitel „Sprache und Gesellschaft“ befaßt sich mit der Soziolinguistik. Insbesondere werden die Varietäten des Deutschen beschrieben und auch das unterschiedliche Sprechverhalten gegenüber verschiedenen Sprechpartnern. - Im Kapitel sieben „Sprache und Individuum“ werden die Themen der Psycholinguistik angesprochen, wie z.B. Sprachstörungen, Spracherwerb, Sprachverarbeitung usw. Es wird auf die Natürlichkeit der Fähigkeit zu sprechen hingewiesen und gezeigt, wie es zu Sprachstörungen und Sprechfehlern kommen kann.

Insgesamt gibt Clément einen verständlichen und komplexen Überblick über die Grundbegriffe der Sprachwissenschaft. Die Themen bauen übersichtlich aufeinander auf, und für die Anschaulichkeit sorgen zahlreiche Illustrationen, Beispiele und Übungen, in denen es u.a. um Sprachspiele, Mehrdeutigkeiten und Anomalien geht, die meistens aus der Werbung stammen und somit allgemein bekannt sind. Dieses Buch ist aufgrund seines übersichtlichen Aufbaus, der verständlichen Schreibweise und den einbezogenen Illustrationen, Beispiele und Übungen für jeden Studenten als hilfreiches Begleitbuch zu den einführenden sprachwissenschaftlichen Vorlesungen zu empfehlen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Hilka Kreikemeyer. Jahr: 2001

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