Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung

Brinker, Klaus / Sager, Sven F. (2001)

Berlin: Erich Schmidt 2001

 

Bei dem Buch “Linguistische Gesprächsanalyse”, verfasst von Klaus Brinker und Sven F. Sager, handelt es sich um eine Einführung, welche im Rahmen der Reihe “Grundlagen der Germanistik” veröffentlicht wurde. Die Autoren haben es sich zum Ziel gesetzt, einen grundlegenden Überblick über Begriffe und Methoden der Gesprächsanalyse zu geben. Die Tatsache, dass sich die Gesprächsanalyse in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem eigenständigen Teilgebiet der Linguistik herausgebildet hat und mittlerweile als Pendant zur schon länger etablierten Textlinguistik gelten darf, wird von den beiden Verfassern als einer der Hauptgründe angeführt, die sie veranlasst haben, das vorliegende Werk zu verfassen.

Das Buch besteht aus neun Kapiteln, beginnend mit einer kurzen Einführung. Im Kapitel “Das Gespräch als Gegenstand der Linguistik” geht es darum, den wissenschaftlichen Erkenntnisgegenstand, in diesem Falle das Gespräch, zu definieren und gegenüber anderen Gegenständen abzugrenzen. Des Weiteren wird ein kurzer forschungsgeschichtlicher Überblick gegeben. Im Kapitel “Empirische Grundlagen” geht es um die Phase der Datenerhebung, welche im Forschungsprozess der Datenanalyse vorangeht. Brinker und Sager weisen auf unterschiedliche Phasen des Forschungsprozesses hin. Neben juristischen und ethischen Aspekten wird auf unterschiedliche Datentypen eingegangen. Im Zusammenhang mit den so genannten Sekundär- und Tertiärdaten widmen sich die Autoren auch der technischen Ebene der Aufzeichnung durch Ton- oder Bildaufnahmeapparaturen. Ein nicht unerheblicher Teil dieses Kapitels beschäftigt sich zudem mit der Transkription gesprochener Sprache.

Im folgenden Kapitel “Einheiten und Strukturen” wird dem Leser ein Einblick in Struktur und Aufbau von Gesprächen gegeben, was anhand der Gesprächseinheiten Schritt, Sequenz und Phase geschieht. Das Kapitel “Interaktive Verfahren” stellt vor allem den dynamischen Charakter von Gesprächen in den Vordergrund, der Fokus liegt also nicht auf Struktur und Aufbau, sondern auf dem Aspekt der Wechselseitigkeit und des aufeinander bezogenen (sprachlichen) Handelns. In diesem Zusammenhang ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Autoren die beiden Untersuchungsebenen “Einheiten und Struktur” und “Interaktivität” nicht als konkurrierende Alternativen, sondern vielmehr als zwei sich gegenseitig ergänzende Schwerpunkte begreifen. Konsequenterweise führt das sechste Kapitel “Analyseschritte bei der linguistischen Untersuchung eines Gesprächs” diese beiden Ansätze zusammen und lässt sie analytisch miteinander verschmelzen. Schließlich folgen noch Schlussbemerkung, Literaturverzeichnis und Sachregister.

 

Das Buch richtet sich in erster Linie an Studierende der Germanistik und Linguistik, doch auch für Studenten anderer Disziplinen, in denen Sprache eine wichtige Rolle spielt, ist das Werk interessant. Als Beispiele wären hier die Sozialwissenschaften oder therapeutische Studiengänge zu nennen. Da es sich um eine Einführung handelt, wird kaum Vorwissen verlangt, für Studenten im ersten Semester eignet sich das Buch dennoch nur bedingt, da an einigen Stellen Kenntnisse, welche normalerweise im Grundkurs vermittelt werden, vorausgesetzt werden. Die Rezeption stellt keine überhöhten Anforderungen an den Leser, was unter anderem an den zahlreichen Verdeutlichungen, wie beispielsweise Grafiken und Illustrationen, liegt. Ein über fünfzehnseitiges Literaturverzeichnis stellt dem geneigten Leser abschließend genügend Lektürehinweise zur Vertiefung zur Verfügung.

Zusammenfassend lässt sich aus meiner Sicht festhalten, dass das Buch auch deshalb als gelungen betrachtet werden darf, weil es in seinem Aufbau klar strukturiert und kohärent ist. Für den Leser ist zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar, um welchen Teilbereich es sich gerade handelt, und warum dieser ggf. in einen bestimmten übergeordneten Kontext eingebettet ist. Besonders positiv ist mir die Erwähnung juristischer und vor allem ethisch-moralischer Aspekte im Zusammenhang mit der technischen Aufzeichnung von Gesprächen aufgefallen. Hier beweisen die Autoren ein sensibles Gespür für die Grenzen der Erlangung wissenschaftlicher Erkenntnisse, wenn ethisch-moralische Grundsätze verletzt werden. Sie lassen jedoch nicht außer Acht, dass diese Grenzen, wie so oft, fließend sind, was die Aufstellung allgemeiner Grundsätze auf diesem Gebiet schwierig macht.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Tom Kraayvanger. Jahr: 2005

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