Linguistische Berufe. Ein Ratgeber zu aktuellen linguistischen Berufsfeldern

Becker-Mrotzek, Michael/ Brünner, Gisela / Cölfen, Hermann (Hg.)

Frankfurt/M. u.a.: Peter Lang 2000

 

Warum benötigt man einen Ratgeber zu aktuellen linguistischen Berufsfeldern? Ganz einfach weil sich die Sprache, besser gesagt die gesellschaftliche Kommunikation und damit auch alle Berufe und Tätigkeiten, die mit Sprache zu tun haben, verändern bzw. sich völlig neue Arbeitsbereiche ergeben können. Im vorliegenden Buch werden in erster Linie drei Entwicklungstendenzen für die erweiterten Anforderungen verantwortlich gemacht: erstens die Globalisierung der Märkte, zweitens die technische Entwicklung, insbesondere neue Formen der technisierten Kommunikation innerhalb der Neuen Medien, und drittens der Wettbewerbsdruck, der qualifizierte Beratungs- und Serviceleistungen für den wirtschaftlichen Erfolg fordert (S. 10 f).

Die Leitfrage des Ratgebers lautet: Welche berufliche Relevanz hat das Studium der Linguistik? Deswegen richtet er sich hauptsächlich an Studierende und Personen, die es noch werden wollen, aber auch an Arbeitgeber, die durch dieses Buch die Vorteile einer linguistischen Ausbildung schätzen lernen können. Ebenfalls dürfen sich Vermittlungsinstanzen wie Lehrer, Dozenten oder Arbeitsberater angesprochen fühlen.

Selbsterklärtes "Ziel ist die übersichtliche und verständliche Zusammenstellung umfassender, breit angelegter und vor allem aktueller Information".  [... Die einzelnen]Kapitel des Buches wurden von verschiedenen Hochschulprofessoren und -dozenten als jeweils für sich verständliche Darstellungen verfasst. Sie sind nach einem einheitlichen Schema aufgebaut: 1. Beschreibung des Tätigkeitsfeldes, 2. Einschätzung der Berufschancen, 3. sprachlich-kommunikative Aufgaben - Anforderungsprofil, 4. linguistische Schwerpunkte, 5. weitere für die Tätigkeit erforderliche Qualifikationen, 6. Veranschaulichung und 7. Literatur und weitere Hinweise. 

 Insgesamt werden acht verschiedene linguistische Berufsfelder vorgestellt, die im folgenden kurz skizziert werden:

1. Fortbildung / Personalarbeit: Training und Schulung mündlicher und schriftlicher Kommunikation, Kommunikationsberatung, Coaching, Moderation;

2. Interkulturelle Kommunikation: interkulturelles Training und Mediation: I. interkulturelle Kommunikationstrainer,  z. B. Vermittler internationaler Teams, II. Mediatoren, Einsatz bei Konflikten, deren Ursachen in kulturellen Unterschieden liegen, III. Berater und kulturelle Mittler, Erschließung von Auslandsmärkten oder Maßnahmen zur Integration von Ausländern;

3. Presse / Medien / Public Relations: Medienkonvergenz: Umgang mit Text, Bild, Ton, Film, Grafik, Hypertext, praktische Erfahrung im Schreiben, Textgestalten, Redigieren und Moderieren;

4. Technische Dokumentation: technischer Redakteur, Übersetzer oder Lektor, Darstellung jeglicher Informationen über technische Produkte;

5. Computer / Software / Neue Medien: Softwareentwicklung, Planung, Entwicklung und Realisierung von Hypertexten und Hypermedia sowie deren Vermittlung, Entwicklung von Lehr- und Lernsystemen;

6. Klinische Linguistik: Diagnostik und Therapie neurogener Sprach- und Sprechstörungen, Qualitätsmanagement, Aus- und Fortbildung, Forschung und Methodenentwicklung;

7. Dolmetschen / Übersetzen (neue Bedeutung durch explosionsartige Bedarfsentwicklung auf fachlichem Gebiet),

8. Sprachunterricht (Mutter- und Fremdsprachen): Schuldienst, Alphabetisierungskurse.

Die Berufschancen, außer in den traditionellen Berufen wie Dolmetscher oder Lehrer im Schuldienst, werden überwiegend positiv beurteilt.

Zusätzliche Informationen über Literatur, Web-Adressen, Berufsverbände und Forschungseinrichtungen finden sich im Anhang. Besonderen Wert legen die Verfasser auf eine eigene Webseite (http://www.linse.uni-essen.de/berufshandbuch/start.htm), die die Aktualisierung der in diesem Ratgeber fixierten Informationen garantieren soll (vgl. S. 24). Anhang und Webseite werden als explizit aufgelistete Teile des Buches verstanden

Das Ziel der Übersichtlichkeit, Verständlichkeit und Aktualisierung haben die Verfasser erreicht, da innerhalb der einzelnen Kapitel die jeweils kurzen Abschnitte gut strukturiert und nachvollziehbar sind. Ein besonderes Lob verdient die Veranschaulichung, bei der man sich anhand eines ausgewählten Beispiels eine konkrete Vorstellung vom jeweiligen Tätigkeitsfeld machen kann. Dieses Handbuch ist also allen Linguistik-Interessierten besonders zu empfehlen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Sabine Schmidtke. Jahr: 2002

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