Linguistik und Problematik des Schriftspracherwerbs

Meyer-Schepers, Ursula

Frankfurt/Main: Peter Lang 1991

 

Ursula Meyer-Schepers wurde 1953 in Würzburg geboren. Nach den Studien in Germanistik, Geschichte und Sozialwissenschaften und ihren Arbeiten im Bereich der Legasthenie-Diagnose und Legastheniker-Therapie seit 1983 wurde sie 1991 an der Ruhr-Universität Bochum zum Dr.phil. im Fachbereich Germanistik promoviert.

Die dringliche Problemlage des schulischen Sprachunterrichts muß nicht nur beachtet, sondern besser und strenger überprüft werden.Um eine sinnvolle Diagnose in bezug auf das Scheitern von Aneignungsprozessen von Schriftsprache stellen zu können, muß die Frage nach den Hindernissen zunächst auf einer theoretischen Basis beantwortet werden.

Das Buch versucht, dieses theoretische Defizit, nämlich das Auswerten von linguistischen Ergebnissen und deren Berücksichtigung im weiteren Lernprozeß (bzw. die Anpassung an diese Ergebnisse), beseitigen zu helfen.So ist die kognitive Auseinandersetzung mit den Eigentümlichkeiten der alphabetischen Schriftsprache nötig.

Das Buch gliedert sich in zwei Teile, wobei Teil A den derzeitigen ( zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches) Diskussionsstand innerhalb der Linguistik in bezug auf die Problematik des Schriftspracherwerbs darstellt. Hier sollen insbesondere die Stärken und Schwächen der verschiedenen Ansätze hervorgehoben, aufeinander abgestimmt und konstruktiv zusammengefügt werden. So ist dieser erste Teil als theoretische Basis für den folgenden zweiten Teil zu verstehen.

Teil B diskutiert auf dieser Grundlage, inwieweit diese Ansätze und Ergebnisse praktisch umgesetzt werden können. Das soll in Form einer kritischen Auseinandersetzung einerseits mit vorliegenden Ansätzen und andererseits mit eigenen Konzeptionen ermöglicht werden. Hier werden insbesondere DoRA (Dortmunder RechtschreibfehlerAnalyse) und LARS (LautAnalytischesRechtschreibSystem) skizziert und die Praktiken dieser beiden Theorieprogramme herausgestellt. Die beiden Konzepte sollen als "'Probiersteine' für die Triftigkeit und Relevanz der in Teil A versuchten Klärung der Sachlogik der Schriftsprache genommen werden." (Vorbemerkung, S. XI)

Das Buch ist nicht für Neulinge in bezug auf Linguistik geeignet. Eine gewisse Grundkenntnis sollte vorhanden sein. Es eignet sich hervorragend für Lehrer, die sich kritisch mit der Problematik der Linguistik im Schulbetrieb auseinandersetzen wollen und Antworten und Lösungsansätze suchen. Hier sollte dann auch die Kompetenz des Lesers für das doch schwierig geschriebene Buch vorhanden sein. Die klare Gliederung der sich aufeinander beziehenden Teile des Buches vereinfacht allerdings diesen Aspekt. Auch sind auf nahezu jeder Seite in der unteren Hälfte sofort Anmerkungen zu finden, die den einen oder anderen Begriff oder Namen erläutern oder Querverweise zu Aussagen anderer Autoren (Fremdliteratur) darstellen. Die klare Bindung der beiden Teile des Buches hilft dem Leser, sich die Problematik des Schritspracherwerbs zu verdeutlichen und die gewonnenen Erkenntnisse eventuell selbst anzuwenden.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von André Birker . Jahr: 1996

Zurück