Linguistik für Anfänger

Pelz, Heidrun

Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 1975

 

Das Buch besteht aus 11 Kapiteln. Wie ein roter Faden zieht sich dabei de Saussures dichotomisches Modell von langue/parole durch das Buch.

Am Anfang steht das einführende Kapitel, in der die Frage nach dem Wesen der Sprache aus nichtlinguistischer Sicht beantwortet wird. Das 2. Kapitel beschäftigt sich mit den Funktionen von Sprache und der Beziehung zwischen Sprechen und Denken aus der Sicht einer bestimmten strukturalistischen Schule. Das 3. Kapitel befaßt sich mit Semiotik. Die Kapitel 4 bis 9 beschäftigen sich mit strukturalistischen Ansätzen in der Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik. Im 10. Kapitel stellt die Autorin dann eine der Hauptannahmen des Strukturalismus in Frage, daß nämlich das Sprachsystem einheitlich sei. Im abschließenden 11. Kapitel gibt die Autorin einen Einblick in einen neueren Zweig der Linguistik, die Pragmatik.

Der Text wendet sich an Studenten der Germanistik, Anglistik, Romanistik und Philologie. Deshalb soll es auch nicht verwundern, daß die Autorin, besonders in den Kapiteln über Phonetik und Morphologie, Vergleiche der deutschen mit der französischen und der englischen Sprache durchführt. Das könnte denjenigen stören, der Wert legt auf eine detaillierte Betrachtung der deutschen Sprache. Dagegen dürften diejenigen, die sich in ihrem Studium auch mit anderen Sprachen beschäftigen oder sich dafür interessieren, hilfreiche Vergleiche hinsichtlich der phonetischen und morphologischen Unterschiede zwischen den oben erwähnten Sprachen finden.

Sollte der Leser sich bereits andere Bücher, die sich auch an Einsteiger in die Linguistik wenden, angeschaut haben, so stellen sich Probleme bei der Verwendung von Begriffen in einzelnen Kapiteln, wie dem der Morphologie, ein. Die Autorin benutzt noch Begriffe wie "Monem" und Begriffsdefinitionen von Morphem, Lexem u.a., die von dem französischem Linguisten Martinet in den 60er Jahren eingeführt wurden, sich aber nicht gegen die heute allgemein akzeptierten Begriffsdefinitionen amerikanischer Strukturalisten durchsetzen konnten.

Fazit: Das Buch ist vom Aufbau her gelungen. Besonders die Einbettung von Aufgaben in den einzelnen Kapiteln ist positiv zu registrieren. Dadurch ist es dem Leser möglich, sein erworbenes Wissen an den gestellten Aufgaben zu erproben. Das Buch ist aber nicht dem zu empfehlen, der sich zum erstenmal mit der Linguistik beschäftigt, sondern an diejenigen gerichtet, die bereits Vorwissen gesammelt haben.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Nenad Marinovski. Jahr: 1997

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