Language Acquisition

Myszor, Frank

London: Hodder and Stoughton 1999

 

Frank Myzors Buch „Language Acquisition“ liefert eine linguistische Einführung in den Forschungsgegenstand des ersten Spracherwerbs bei Kindern. Dabei verfolgt er die sprachliche Entwicklung zurück bis zur Geburt und sogar zu dem Stadium davor. Auf 92 Seiten, die in sieben Kapitel und ein Glossar mit den wichtigsten Termini unterteilt sind, versucht er, die Leser zu ermutigen, die Sprachentwicklung eines Menschen selbständig zu erforschen. Folgende Themenbereiche werden behandelt:

1. Allgemeine Fragen zum Spracherwerb

Die Absicht dieses Kapitels besteht darin, in einige wichtige Themen in der Forschung des kindlichen Spracherwerbs einzuführen. Angesprochen werden Bereiche wie die Problematik bei der Einteilung der Entwicklung in Phasen von 1 bis 5 oder spezifische Begriffe und ihre Verwendung wie beispielsweise parents, adults, caregiver, mother, father. Wann ist es sinnvoll, welchen Terminus zu verwenden? Es ist also ein sehr buntes und breit gefächertes Kapitel, das Fragen behandelt, mit denen viele vielleicht schon einmal konfrontiert worden sind.

2. Texte schreiben für Kinder zwischen 4 und 7 Jahren

Hier geht es um die Wortwahl, die ein Kinderbuchautor sorgfältig treffen muss, um adäquate Bücher schreiben zu können. Sie müssen sich daher der Sprachfähigkeiten der Kinder bewusst sein. Die ersten Bücher eines Kindes können nämlich als eine Art „Brücke“ zwischen der oralen Welt und der der Schrift verstanden werden.

3. Wie sprechen Erwachsene mit Kindern?

Auf den folgenden Seiten geht Myszor auf die Art und Weise ein, wie Eltern mit ihren Kindern sprechen und ob die sogenannte Babysprache einen Einfluss auf ihre weitere Sprachentwicklung nimmt. Dabei berücksichtigt er auch die Monologe, die werdende Eltern mit ihren Ungeborenen führen.

4. Wörter zusammenfügen - die Anfänge der Grammatik
Dieses Kapitel beschreibt die Phase, in der Kinder erstmals Wörter kombinieren bis hin zu dem Zeitpunkt, zu dem die meisten grammatischen Grundregeln erlernt worden sind. Dazu gehören unter anderem die Wort- und Fragebildung, die Verwendung von Pronomen und die damit verbundenen Schwierigkeiten. In Anlehnung daran gibt Myszor noch eine kurze Einleitung in das Gebiet der Pragmatik, um zu demonstrieren, wie Kinder primär Fragen stellen und sie beantworten.

5. Anfängliches Vokabular und die Aussprache eines Babys

In dieser Lektion wird die Schwierigkeit bei der Identifikation des ersten Wortes eines Babys erörtert. Eine Äußerung, die den Klang eines Wortes aufweist, muss deshalb nicht zwangsläufig auch eins sein. Denn nicht nur das Lautbild macht das Wort, sondern gleichermaßen auch die Bedeutung. Und ob ein Kind, das die Lautketten [mama], [da] oder [ja] von sich gibt, auch über die Bedeutung Bescheid weiß, ist fraglich. Folglich fällt es schwer, zwischen einfachem Gebabbel und dem ersten Wort zu differenzieren.

6. Nonverbale Kommunikation vor Beginn des Sprechens

Das Sprechen fängt durchschnittlich nach dem ersten Lebensjahr eines Kindes an, jedoch ist es falsch anzunehmen, dass in der Zeit davor der Entwicklungsprozess stagniere. Dass an dem Verhalten des Babys nichts beobachtet werden kann, ist kein Anzeichen dafür, dass keine Fortschritte gemacht werden. So lernen Kinder in dieser Zeit beispielsweise den Klang, die Melodie ihrer Muttersprache und erste Phoneme. Es wird versucht, den Punkt im Leben eines Menschen ausfindig zu machen, an dem Sprache beginnt, denn dieser Übergang ist sehr schwammig. Dazu werden Lautäußerungen untersucht wie schreien, weinen oder babbeln.

7. Theorien des Spracherwerbs

Zum Abschluss geht Myszor auf diverse Theorien zum Spracherwerb ein, welche versuchen, eine Antwort auf die Frage „Warum?“ zu geben. Dass Kinder in den Anfängen ihres Lebens über solche Kompetenzen verfügen, eine Sprache dermaßen schnell zu erlernen, wie es kein zweites Mal möglich ist, geht zurück auf psychische, biologische und soziologische Gründe. Dazu führt er hauptsächlich Ausschnitte von Chomskys, Skinners und Bruners Theorien auf.

Am Ende jedes einzelnen Kapitels finden wissensdurstige Leser Literaturvorschläge, um ihre erzielten Ergebnisse zu vervollständigen. „Language Acquisition“ ist keine rein informative Lektüre, sondern viel mehr ein Arbeitsbuch, das dazu auffordert, aktiv mitzudenken und selbstständig Lösungswege zu entwickeln, um Ergebnisse erzielen zu können. Dies gelingt Myszor meines Erachtens sehr gut, indem er Features einbaut, die er „Activities“ nennt. Sie enthalten kleine Problemstellungen, die in einer Gesprächsgruppe oder mit einem Partner zu diskutieren und zu lösen sind. Im Anschluss daran fügt er Kommentare zu den jeweiligen Diskussionsthemen ein, die eine gewisse Entschlüsselung des Problems enthalten und somit Denkanstöße liefern.

Auch wenn das Buch in englischer Sprache geschrieben wurde, ist es keineswegs nur interessant für Anglistik-Studenten. Es ist sehr unkompliziert verfasst, bietet einen sehr guten Überblick und ist meiner Ansicht nach zur Einführung in das Themengebiet durchaus geeignet.

Wobei ich, um ein detaillierteres Bild des Buches vermitteln zu können, an dieser Stelle noch folgendes zu ergänzen habe: Dass „Language Acquisition“ eine durchaus geeignete Einführung darstellt, ist insofern richtig, als es eine gute Diskussionsgrundlage liefert. Wenn man jedoch handfeste Forschungsergebnisse und Informationen benötigt, um sich mit dem Thema vertraut zu machen, kann dieses Buch diese Kriterien nicht erfüllen. Eigenständige Erarbeitung steht hier im Vordergrund.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Nicole Frontzek. Jahr: 2001

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