Ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Grundfragen der Semantik

Rothacker, Edgar/ Saile, Günther

Opladen: Westdeutscher Verlag 1986

 

Die Grundlage dieses Buches entstand aus einer Lose-Blatt-Sammlung einiger Studenten des Sprachwissenschaftlichen Institutes der Ruhr-Universität Bochum. Im Jahre 1986 stellten die Herren Rothacker und Saile mit Unterstützung einiger Professoren dieses Buch zusammen. Es bietet einen Einblick in die Sprachanalyse. Mit Hilfe von kurzen Geschichten und Illustrationen sowie Aufgabenstellungen werden Teilgebiete der Sprachwissenschaft (wie z.B. die Bedeutung ganzer Sätze sowie die semantische Beziehung einzelner Wörter untereinander) untersucht.

Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt, von denen jedes für sich gelesen und behandelt werden kann. Im ersten Kapitel wird u.a. Karl Bühlers Organon-Modell der Sprache vorgestellt. Anhand der ausführlichen Erklärung dieses Entwurfes lassen sich die drei Sprachfunktionen Appell, Kundgabe und Darstellung auf verschiedenen Ebenen der Sprache zuordnen (z.B.: "Textsorten: Appell: Drama, Rhetorik; Kundgabe: Lied, Lyrik; Darstellung: Epik, wissenschaftlicher Text" S. 27 ff.). Als weitere Ebenen der Sprachanalyse werden noch die Semantik, die Pragmatik, die Syntax, die Morphologie, die Phonologie und die Phonetik mit diesem Modell in Beziehung gebracht.

Signifikant für das zweite Kapitel ist die Untersuchung der einzelnen Wörter und deren (syntagmatischer und paradigmatischer) Beziehungen untereinander innerhalb eines Satzes.

Das nachfolgende Kapitel setzt sich mit der näheren Betrachtung ganzer Sätze hinsichtlich ihrer Bedeutung auseinander.

Der zweite Teil des Buches beginnt mit dem vierten Kapitel. Auch hier wird wieder sehr anschaulich u.a. die Beziehung der Nenn- und Zeigefunktion von Wörtern innerhalb eines Textes erörtert. ("Nennwörter sind z.B.: Bier, Netz etc.; Zeigewörter z.B.: hier, jetzt"). Mit Hilfe der vorletzten Geschichte werden u.a. die Bedeutungsbeziehungen zwischen verschiedenen sprachlichen Ausdrücken näher analysiert. (So z.B. "Dialekt zur Hochsprache" und "Gemeinsprache zur Fachsprache", wobei die verschiedenen aufgezeigten sprachlichen Ausdrucksformen charakteristisch sind. Eine Fachsprache zum Beispiel wird erzeugt durch die Wahl bestimmter sprachlicher Mittel innerhalb eines bestimmten Berufes.) Abschließend wird u.a. der Sachverhalt des vollständigen Lexikoneintrages eines bestimmten Begriffes erläutert. Hierbei wird auf verschiedene semantische Ebenen zurückgegriffen. ( Z.B. das Nomen "Ball" läßt sich u.a. syntagmatisch folgendermaßen charakterisieren: "ein Ball aus Leder, Gummi,...; mit dem Ball spielen; einen Ball werfen", S. 159 ff.)

Die sechs Kapitel können mit Hilfe des Registers unabhängig voneinander betrachtet und bearbeitet werden. Bei genauer Bearbeitung bietet jede Geschichte die Möglichkeit, die behandelten Teilgebiete der Sprachwissenschaft zu verstehen. Hierbei wird deutlich gemacht, daß es auch in dieser Wissenschaft keine eindeutigen Lösungswege gibt.

Das Buch bietet eine gute Grundlage, um sich mit den einzelnen Bereichen der Sprache zu befassen. Die Illustrationen und kurzen Geschichten sowie die Aufgabenstellungen erleichtern das Verständnis der spezifischen Fachausdrücke (z.B. Syntax, Pragmatik usw.) innerhalb der Sprachwissenschaft. Positiv sind auch die möglichen Lösungsvorschläge zu den Aufgaben im Materialteil am Ende der Kapitel. Sie stellen eine gute Diskussionsbasis zur analytischen Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik dar. Durch die schrittweise Einführung in die Sprachanalyse ist das Buch meines Erachtens für Studienanfänger geeignet.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Liane Baumeister. Jahr: 1999

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