Gesprochenes Deutsch. Eine Einführung.

Schwitalla, Johannes

Berlin: Erich Schmidt 1997

In der 222seitigen Monographie gibt Schwitalla eine Einführung in die Grundlagen der linguistischen Beschreibung gesprochener Sprache. Er bemüht sich darum, auch in diesem Bereich feste Regeln und Strukturen in der deutschen Sprache heraus zu kristallisieren und zu erläutern. Dabei versucht er, dem Leser (überwiegend wohl dem Studierenden der Germanistik) Ergebnisse des aktuellen Forschungsstandes nahe zu bringen und ihm somit einen Überblick über wesentliche Merkmale der gesprochenen Sprache Deutsch zu geben.

Eine umfassende Einführung in die Besonderheiten dieses Teilgebiets der Linguistik verwirklicht der Autor, indem er verschiedene sprachwissenschaftliche Untersuchungsebenen als Argumentationsausgangspunkt für eine genauere Analyse setzt. Auf diese Weise werden wesentliche Aspekte ausgehend von der Laut-, Silben- und Satzebene bis hin zu den Verfahren der Textdarstellung und der Textformulierung isoliert und genauer erläutert. Schwitalla schreitet Schritt für Schritt von „den kleinen sprachlichen Einheiten zu den größeren und komplexeren“ (S.12) voran. Indem er jede Ebene isoliert beleuchtet, kann der Rezipient dem Argumentationsverlauf leichter folgen, und das Mitdenken wird erleichtert. Durch eine Vielzahl gut gewählter Gesprächsbeispiele werden Theorie und alltägliche Praxis anschaulich vermittelt.

Ein kurzer Ausflug in die nonverbale Kommunikation dient dazu, das Gesagte auch im Kontext zu erläutern. Einzeln betrachtet machen viele Aussagen unseres täglichen Lebens keinen Sinn, da es sich fast ausschließlich um Ellipsen handelt, die erst durch den Kontext oder zwischenmenschliche Beziehungen verständlich werden können.

Meiner Meinung nach ist das übersichtlich gegliederte Buch gut zu lesen, und es vermittelt dem Rezipienten eine erste Grundlage sowie neue Gesichtspunkte für die Analyse der deutschen Sprache. Die Literaturangaben eröffnen die Möglichkeit, sich über das Buch hinaus mit dem Thema ,gesprochenes Deutsch‘ zu beschäftigen. Wegen der zahlreichen Fachtermini ist es jedoch ratsam, ein linguistisches Fachwörterbuch bei der Lektüre ständig greifbar zu haben. Ein Anhang mit Erläuterung der Fachtermini wäre wünschenswert. Außerdem ist es teilweise etwas schwierig, vor allem wenn es um die Sprechgeschwindigkeit, die Pausen und den Ausdruck der Emotionalität im Gesprochenen geht, sich die sonst gut gewählten Beispiele vorzustellen. Zur Verbesserung würde ich Tonaufnahmen (auf CD oder im Internet) empfehlen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Nicole Wiegand. Jahr: 2002

Zurück