Frauensprache: Sprache der Veränderung

Trömel-Plötz, Senta

Frankfurt/M.: Fischer Verlag 1982

Die Sprachwissenschaftlerin Senta Trömel-Plötz zeigt in dieser Aufsatzsammlung die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Wirklichkeit und Sprache im Bezug auf die Frau auf. Sie erforscht das Ungleichgewicht in den Bezeichnungen für Frauen und Männer und macht Vorschläge für neue sprachliche Wendungen, mit denen eine Benachteiligung von Frauen vermieden werden kann. Die Autorin kommt zu dem sehr radikal klingenden Schluss, dass der Sexismus – die Unterdrückung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts - sprachlich in ganz ähnlichen Formen zum Ausdruck kommt wie der Rassismus und der Antisemitismus.

Einige der 13 Beiträge behandeln den soziologischen Hintergrund und andere den linguistischen Aspekt der Unterdrückung der Frau in der Sprache. Da es sich bei diesem Buch um eine Sammlung von an verschiedenen Universitäten entstandenen Vorträgen handelt, werden unterschiedliche Aspekte in verschiedenen Aufsätzen öfters erörtert. So zum Beispiel beschäftigt sich Senta Trömel-Plötz in einem Aufsatz mit der Frage, ob es eine Frauensprache gibt, wobei sie zu dem Schluss kommt, dass es keine Frauensprache in dem Sinn gebe, „[...] dass Frauen keine eigene Sprache sprechen, die Männer nicht verstehen können.“ (S. 15), sondern dass „[...] Frauen und Männer, wenn sie zusammen kommunizieren, unterschiedlich reden“ (S. 15 f), genauso wie sie sich unterschiedlich verhalten. Sie geht darauf ein, wie Frauen vor Gruppen auftreten und welche Erwartung die Gesellschaft an „redende Frauen“ hat: Frauen reden nicht klug, durchdacht, rational, diszipliniert und logisch. Für Frauen sei es viel schwerer, sich zu behaupten, als für Männer. Im zweiten, fünften und sechsten Aufsatz sowie in den Aufsätzen zehn und elf wiederholen sich diese Aspekte, denn im Groben schildern sie aus verschiedenen Sichtweisen die Stellung der Frau in der Gesellschaft und ihre Bedeutung für die sprachlichen Veränderungen.

Im Gegenzug dazu wird in den Aufsätzen drei, vier und sieben das Verhältnis der Linguistik zur Frauensprache näher erörtert. Dabei geht sie anhand von Beispielen auf den geschlechterspezifischen Gebrauch des Nomens und der Personalpronomina ein, wobei auffällt, „[...] dass der geschlechtsindefinite Gebrauch in der Form mit dem Maskulinum identisch ist, obwohl auch feminine Formen zur Verfügung stehen.“ (S. 38 f). Sie stellt fest, dass ein Satz ungrammatisch ist, auch dann, wenn das Geschlecht aller im Satz vorkommenden Personen eindeutig weiblich ist. Auch werden weibliche Formen gewöhnlich durch Suffixe von den männlichen abgeleitet und nicht umgekehrt: z.B. Gott -> Göttin, Frisör -> Frisörin, aber Kindergärtnerin -> Erzieher, Krankenschwester -> Krankenpfleger. Zu bestimmten Wörtern fehlen dagegen einfach die weiblichen Formen, wobei auffällt, dass dies bei sehr ,männlichen‘ Wörtern der Fall ist, z.B. General, Kapitän und Bauherr. Nomina und Verben, die Frauen, Eigenschaften und Aktivitäten von Frauen denotieren, haben häufig negative Konnotationen und Assoziationen; wobei die männlichen Entsprechungen meist positiv bewertet sind, z.B. alte Jungfer -> Junggeselle, Putzfrau -> Raumpfleger. Diese Tatsachen haben laut Trömel-Plötz zur Folge, dass soziologische Ergebnisse zeigen, dass Frauen sensibler auf Statusunterschiede reagieren als Männer und sich an der sprachlichen Variante mit dem höheren sozialen Prestige orientieren.

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Frauen aufgrund ihrer Art und Weise zu sprechen zu der Erwartung beitragen, die Männer von ihnen haben. Wenn Frauen anfingen, anders zu reden, so würden die Männer beginnen, ihre Erwartungen zu ändern. Wenn dies der Fall wäre, so würde sich das neue sprachliche Verhalten auch in einer allmählichen Sprachveränderung niederschlagen: zu einer Sprache hin, in der die Benachteiligung von Frauen und Männern aufgehoben ist.

Aus meiner Sicht sind die Ansätze, die die Autorin vorträgt, durchaus interessant, aber sie schreibt sehr subjektiv, so dass einige Punkte, die mir sehr wichtig wären, nicht beachtet werden. So zum Beispiel stimme ich in allen sprachwissenschaftlichen Punkten zu, aber sie stellt es so dar, dass der gängige Gebrauch so sexistisch sei, dass der Frau kaum Freiräume blieben, wogegen dem Mann alle Möglichkeiten offen stünden. Wenn man die Rolle der Frau in der Vergangenheit betrachtet, kann man nicht davon ausgehen, dass eine Gleichberechtigung der Frau von heute auf morgen stattfinden kann. Meine persönliche Meinung ist sogar, dass die Frau an sich aufgrund ihrer Eigenschaften als Frau, die biologisch vorgegeben sind, eine Gleichberechtigung nicht im herkömmlichen Sinne erreichen kann. Auch kann ich der Autorin nicht zustimmen, wenn sie sagt, dass der Sexismus – die Unterdrückung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts - sprachlich in ganz ähnlichen Formen zum Ausdruck kommt wie der Rassismus und der Antisemitismus. Ich finde, dass dieses Thema nicht diesen Stellenwert bekommen kann, den der Rassismus und der Antisemitismus in unserer heutigen Gesellschaft hat. Ich finde es sehr fragwürdig, bei der Geschichte der Deutschen zu einer solchen Interpretation zu kommen.

Ich persönlich konnte mit diesem Buch nicht ganz warm werden. Manche Punkte waren ganz interessant zu erfahren, aber im großen und ganzen fand ich das ganze Buch sehr überzogen. Sollte man sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen wollen, empfehle ich sehr, zu dem vorgestellten Buch auch das Buch: „Rhetorik für Frauen - Wir sprechen über uns“ von Barbara Schlüter (erschienen im Wirtschaftsverlag Langen–Müller; auch als Taschenbuch bei verlag moderne industrie (Reihe REDLINE WIRTSCHAFT)) zu lesen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Stephanie Dephilipp. Jahr: 2001

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