Frauen reden anders

Hertlein, Margit

Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1999

 

Margit Hertlein gibt einen Einblick in die Sprachwelt und Sprechweise im Beruf bei Frauen und Männern, wobei sie insbesondere auf die Unterschiede zwischen Frauen und Männern eingeht. Sie stellt Konfliktsituationen dar und wie man diese lösen bzw. vermeiden kann.

Das Taschenbuch ist in acht Kapitel unterteilt. Fast auf jeder Seite ist am Rand in kurzen Worten angegeben, worum es auf der jeweiligen Seite geht. Am Ende gibt es meistens Übungen, damit man das eigene Sprechen verbessern kann.

Das erste Kapitel " Herzlich Willkommen!" ist zuerst einmal eine ganz allgemeine Einführung. Es handelt davon, dass Frauen und Männer unterschiedliche Sprechstile haben, und beschreibt, welche Rolle Frauen im Berufsleben im Laufe der Zeit von den Männern zugewiesen bekommen haben. Im zweiten Teil "Eine ganz normale Geschichte" wird durch ein Beispiel gezeigt, was passieren kann, wenn man den falschen Sprechstil anwendet.

Das zweite Kapitel "Berufswelt und Sprachwelt" beschäftigt sich genauer mit dem Sprechverhalten von Frauen und Männern. Hier werden zum ersten Mal die Begriffe "Trampolin" und "Stufen" erwähnt. Diese Begriffe sind wichtig, denn sie ziehen sich durch das ganze Buch. "Trampolin" und "Stufen" sind Metaphern, Bilder, die die unterschiedlichen Positionen der Sprechstile von Frauen und Männern verdeutlichen sollen. Das Wort "Trampolin" wird Frauen und "Stufen" wird Männern zugeordnet. Hertlein hat nämlich herausgefunden, dass Frauen sich sowohl im Berufsleben als auch im Privatleben auf die Ebene des Trampolins begeben. Frauen werden gelobt, wenn sie Harmonie herstellen und auf andere Menschen Rücksicht nehmen. Sie lernen, dass Sympathie und ein Wir-Gefühl wichtig sind. Männer kennen dieses Wir-Gefühl nicht. Sie tragen ein Ich-Gefühl in sich, wollen gewinnen und achten nicht auf ihr Umfeld. Doch wenn Frauen (Trampolin) und Männer (Stufen) nicht auf derselben Ebene stehen (es kann auch durchaus anders herum der Fall sein), kommt es sehr schnell zu Konflikten.

Im untergeordneten Kapitel "Unklar oder unhöflich? - Indirekte und direkte Sprechmuster" geht es darum, wer welches Sprechmuster benutzt. Bei Frauen (Trampolin) stehen Nähe und symmetrisches Verhalten im Vordergrund. Sie benutzen daher indirekte Sprechmuster, denn wenn der Sprachpartner ein Trampolinmensch ist, wird es keine Kommunikationsprobleme geben. Männer (Stufen) bevorzugen da eher den direkten Sprechstil. Sie sagen klar und deutlich, was sie wollen. Nachteil dieses Sprechmusters ist, dass dieser meistens als unhöflich und grob bewertet wird. Um die Bewegung auf dem Trampolin nicht zu gefährden, formulieren Frauen zu vorsichtig. Dadurch stellen sie ihre Fähigkeiten zu Gunsten ihrer Mitmenschen in den Hintergrund und verhindern gleichzeitig zu zeigen, was sie denken und können. Ein weiterer Unterschied zwischen Frauen und Männern ist, dass Frauen gerne mit eigenen Erfahrungen argumentieren. Männer sind dagegen eher durch Zahlen und Statistiken zu beeindrucken.

Das dritte Kapitel "Gesprächsrituale" handelt davon, wie sich Frauen und Männer in Gesprächen verhalten. Bei dem Beispiel "Was meinst Du dazu?" verhält sich ein Mann anders als eine Frau. Frauen möchten gerne meistens nur eine kurze Meldung z. B. zu einem Vortrag. Männer dagegen nutzen diese Möglichkeit, um ihr Wissen preiszugeben, möchten Tipps und Ratschläge geben und fordern indirekt auch auf, diese zu befolgen. Unterschiede gibt es auch beim Thema Lob. Männer interpretieren bei fehlendem Lob, dass es nichts zu kritisieren gibt. Frauen dagegen schließen daraus, dass sie sich nicht sicher sind, ob das, was sie tun, in Ordnung ist. Kritik ist genau so ein Fall. Kritik ist eine Möglichkeit, etwas über sich selbst zu erfahren. Diese wird bei den Trampolinmenschen indirekt geäußert, jedoch bei den Stufenmenschen direkt. Beim Ritual des Klagens äußern Frauen ihren Wunsch nach Zuwendungen. Männer interpretieren das Gesprächritual. Sie sehen das Klagen als Wunsch nach Problemlösungen.

Im vierten Kapitel "Eine ganz normale Geschichte II" geht es darum, die Fähigkeit, alle Sprechstile zu beherrschen, zu entwickeln. Das Wissen, dass es unterschiedliche Sprechstile gibt, erleichtert die Interpretation der jeweils anderen Seite.

Das fünfte Kapitel "Sprache und Stimme sind untrennbar" beschäftigt sich damit, wie Sprache und Stimme miteinander verbunden sind. Laut Hertlein ist die Stimme Ausdruck der Persönlichkeit; sie bestimmt den ersten Eindruck bei Menschen.

Im sechsten Kapitel "Stimmübungen für den Berufsalltag" geht es um Sprech- und Stimmübungen und darum, wie diese gezielt eingesetzt werden können.

Das vorletzte Kapitel "Atmung" beschreibt die Basis der Stimme und des körperlichen Wohlbefindens. Hertlein erklärt dabei, was für einen Einfluss die Atmung auf unsere Stimme hat.

Im abschließenden achten Kapitel "Ausblick und Ausklang" appelliert die Autorin an den Leser, seine eventuellen Sprechschwierigkeiten anhand der vorherigen Übungen zu verbessern bzw. ganz aus der Welt zu schaffen. Dazu werden noch drei kleine Geschichten erzählt, die dem Leser helfen sollen, seine Vorsätze in die Tat umzusetzen. Es folgen Tipps zum Weiterlesen.

Die Autorin Margit Hertlein beschreibt die Kommunikationsprobleme zwischen Frauen und Männern im Wechsel. Dabei beruft sie sich zum Teil auf verschiedene Studien, Berichte von Wissenschaftlern und eigene Erfahrungen. Das Buch ist schnell zu lesen und einfach zu verstehen. Es vermittelt einen Einblick in das Sprechverhalten zwischen Frauen und Männern, wobei mir die Autorin auf der einen Seite zu subjektiv an den Inhalt herangeht, auf der anderen Seite man sich vielleicht mit einigen Situationen identifizieren kann. Dabei gefällt mir ganz besonders, dass die Autorin den Leser/die Leserin direkt anspricht und mit den Geschichten und Übungen es leicht macht, die verschiedenen Situationen gut nachvollziehen zu können.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Anahieta Dalai . Jahr: 2002

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