Einführung in die Syntax - Grundbegriffe zum Lesen einer Grammatik

Bünting, Karl-Dieter; Bergenholtz, Henning

[1. Aufl. 1979]. 2. Aufl. Frankfurt/M.: Athenäum 1989

 

Die Autoren dieses Buches, die Professoren Karl-Dieter Bünting und Henning Bergenholtz, haben sich zum Ziel gesetzt, durch eine systematische Definition der Grundbegriffe der Syntax (und im Zusammenhang damit auch der Wortformen und Wortarten) eine Arbeitsgrundlage für Studierende und andere interessierte Personen zu schaffen, die sich mit Grammatik befassen wollen. Außerdem möchten die Autoren die Neugier der Leser wecken und demonstrieren, dass die Beschäftigung mit Grammatik nicht langweilig und trocken sein muss, sondern durchaus spannend sein kann. Dies gelingt unter anderem durch anschauliche Grafiken und die außergewöhnliche Auswahl der Beispieltexte, die zum großen Teil Werken deutscher Schriftsteller wie Brecht, Grass, Kafka, Keller, Kleist, Tucholsky u. a. entnommen sind.

Das Buch zeichnet sich durch eine klare übersichtliche Gliederung aus. Jedem Kapitel ist eine kurze Einleitung vorangestellt, die die Hauptzielsetzungen des jeweiligen Abschnitts zusammenfasst und erläutert. Das alphabetische Sachverzeichnis im Anhang ermöglicht ein rasches Auffinden der wichtigsten grammatischen Begriffe. Das umfassende Literaturverzeichnis bietet gute Hinweise zur weiterführenden Lektüre. Die verwendete Terminologie enthält vorwiegend lateinische Termini, weil diese als abstrakt definierte Fachbegriffe international verwendbar und weitgehend unmissverständlich sind. In den Text sind praktische Übungsaufgaben integriert, deren Lösungen knapp und gut verständlich im Anhang zu finden sind, so dass sich das Buch ausgezeichnet als Arbeitsbuch oder, wie der Untertitel sagt, als Studienbuch Linguistik eignet.

In der Einleitung finden sich einige grundsätzliche Erläuterungen zum Grundcharakter von sprachlichen Äußerungen bzw. Texten (Gliederung, Linearität, nicht-lineare syntaktische Beziehungen, grammatische Kongruenz, Tempusgefüge, Parataxe und Hypotaxe).

Im ersten Kapitel geht es um den Satz. Nachdem demonstriert wurde, dass eine allgemeinverbindliche Satzdefinition kaum möglich ist, weil diese davon abhängt, unter welchem Aspekt man sich mit der Sprache befasst, ob der Schwerpunkt im psychologischen, semantischen oder grammatischen Bereich liegt, werden drei Kriterien für den Satz herausgearbeitet: Gegliedertheit, Vollständigkeit und relative Selbstständigkeit.

Im zweiten Kapitel wird auch der Begriff ,Wort einer Betrachtung unter verschiedenen Gesichtspunkten unterzogen, und entsprechend werden drei grundlegende Kategorien gebildet: graphematische, grammatische und lexikalische Wörter, wobei letztere Kategorie am ehesten mit der allgemeinsprachlichen Verwendung des Wortes übereinstimmt.

In Kapitel 3 erfolgt die Definition von Wortarten nach morphologischen Kriterien (flektierbar, nicht-flektierbar) und syntaktischen Kriterien (Verwendung und Position des Wortes im Satz).

Thema des Kapitels 4 ist die Satzanalyse, das Zerlegen eines Satzes in seine Bestandteile durch intuitive, operationale und analytische Verfahren. Es folgt eine Erläuterung der wichtigsten Satzglieder (Subjekt, Prädikat, Objekt, adverbielle Bestimmung, Attribut).

In Kapitel 5 werden der Begriff der grammatischen Kongruenz geklärt und die grundlegenden grammatischen Kategorien wie Genus, Kasus, Numerus, Person, Tempus und Modus sowie die damit verbundenen Kongruenzen erläutert.

Kapitel 6 beschäftigt sich mit der Stellung der Wörter im Satzglied und der Anordnung der Satzglieder im Satz. Es werden nominale, präpositionale, adverbiale und verbale Satzglieder analysiert. Abschließend werden verschiedene Satzmuster gezeigt und drei grundlegende Satzbaupläne der deutschen Sprache herausgearbeitet.

Das siebte Kapitel ist der komplexen Syntax gewidmet. Hier geht es um Satzgefüge und Satzreihe, um verschiedene Arten von Gliedsätzen und die Verknüpfung von Teilen in Satzgefügen durch Konjunktionen. Es werden Infinitiv- und Partizipialsätze erläutert sowie Objekt-, Subjekt-, Prädikativ-, Attributiv- und Adverbialsätze. In einem besonderen Abschnitt wird auf die semantische Funktion der Adverbialsätze eingegangen (Lokalsätze, Temporalsätze, Kausalsätze usw.). Danach folgen noch einige Bemerkungen zur Gleich- und Unterordnung von Teilsätzen, zu Parataxe und Hypotaxe.

 An das Ende dieses Arbeitsbuches haben die Autoren zwei geschickt ausgewählte Textausschnitte gesetzt, die extrem komplexe Satzgefüge demonstrieren und in parodistischer Weise zum Amüsement des Lesers beitragen. Durch den ansprechenden Ton, die gut verständlichen Erläuterungen und den klaren Aufbau des Buches ist es gut vorstellbar, dass der Umgang mit diesem Arbeitsbuch über die ernsthafte Beschäftigung mit der Thematik und den so gewonnenen Wissenszuwachs hinaus auch einen gewissen Spannungs- und Unterhaltungseffekt bewirkt und so die Motivation des Lesers, sich weiterhin mit Grammatik zu beschäftigen, steigert.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Christiane Möllmathe (christiane.moellmathe@web.de). Jahr: 2003

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