Einführung in die Sprachwissenschaft

Vater, Heinz

München: Fink 1999

 

Der Autor möchte einen Überblick über die wichtigsten Arbeitsfelder der Linguistik bieten. Anfangs erläutert er die Zielsetzung der Linguistik und beschreibt die fünf wissenschaftlichen Kernbereiche, mit welchen sie sich auseinandersetzt. Weiterführend behandelt er drei interdisziplinäre Bereiche der Sprachwissenschaft.

Das erste Kapitel erörtert mögliche Zielsetzungen der Linguistik. Die Bereiche Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik werden einführend erwähnt. Zudem erläutert der Autor den Unterschied zwischen deskriptiver und präskriptiver Herangehensweise.

Im zweiten Kapitel geht Vater auf die Phonologie ein, die er von der Phonetik abgrenznt, welche sich mit den physikalischen Aspekten der Lauterzeugung, -aufnahme und -verbreitung auseinandersetzt. Es werden Grundbegriffe (wie phonetische Transkription, Phonem, Allophon und Minimalpaaranalyse) und phonologische Prozesse (wie der diachronische und synchronische Ansatz, Dissimilation, Assimilation, Tilgung und Insertion) erklärt.  Abschließend erläutert er autosegmentale und metrische Phonologie.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Morphologie, also dem Studium der internen Struktur von Wörtern. Fachbegriffe wie Morphem, Flexion, Komposition, Derivation, Amalgamierung und Entlehnung sowie die wichtigsten Prozesse der Wortanalyse  werden erläutert.

In Kapitel vier beschreibt der Autor die historische Entwicklung der Syntax als Abspaltung von Phonologie und Morphologie und stellt mögliche Definitionen des Begriffs "Syntax"  vor. Näher geht er auf Chomskys Konzept ein, welches das Individuum einbezieht und ihm Kompetenz und Performanz, also die Fähigkeit, Sätze "als wohlgeformt oder abweichend zu erkennen", sowie den individuellen Gebrauch der Sprache zuordnet. Er glaubt also, dass es ein eigenständiges Wissenssystem der Sprache gebe (modularer Ansatz), im Gegensatz zu der Annahme, dass Sprache eine Interaktion unterschiedlicher Wissenssysteme sei (holistischer Ansatz). Es werden der Permutationstest und die Government-and-Binding-Theorie erläutert, welche davon ausgeht, dass Sprache auf ganz einfachen Prinzipien beruhen müsse, woraus das X-Bar-Schema abgeleitet wurde. Mit Hilfe von Transformationsregeln lassen sich aus der zuvor erklärten X-Bar-D-Struktur Sätze verschiedener Typen ableiten. Abschließend wird in die Topologie eingeführt.

Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit der Semantik, das heißt nach Bünting mit "den Inhalten und Bedeutungen der Wörter und Sätze."  Vor allem von Saussure (1916) wurde der Zeichenbegriff in die Sprachwissenschaft gebracht. Ihm zufolge können Zeichenfolgen in Form von Sätzen ein richtiges oder unrichtiges Abbild der Wirklichkeit erzeugen. Laut Wunderlich (1976) und Reis (1980) ist vor allem die wörtliche Bedeutung von Sätzen für die Semantik wichtig. Vater erläutert die Bedeutungsrelationen zwischen Sätzen, insbesondere Konjunktion, Disjunktion, Implikation, Äquivalenz, Reflexivität, Symmetrie, Transitivität, Synonymie, Inkompatibilität, Kontradiktion, Antonymie und Kompatibilität. Vater geht kurz auf die semantische Analyse und die Analyse durch die Arbeit mit Prototypen ein. Diese geht davon aus, dass der Mensch Gegenstände nicht einfach nur kategorisiert, sondern ihnen auch Merkmale zuordnet, die sie zu besseren oder schlechteren Vertretern einer Kategorie machen. Der Autor thematisiert die Bedeutung von Bedeutungsfeldern und schließt einen Exkurs zur Prädikatenlogik an.

In Kapitel 6 wendet sich Vater der Pragmatik zu. Weiter bietet er Einblicke in die Psycholinguistik (Kapitel 7), die Soziolinguistik (Kapitel 8) und die Textlinguistik (Kapitel 9). Das Buch endet mit dem Schlusswort in Kapitel 10.

Durchweg argumentiert  Vater systematisch und historisch und lässt sehr vielen, aufeinander aufbauenden Theorien verschiedener Sprachwissenschaftler Raum. Zu jedem Kapitel bietet er sehr viele Übungsaufgaben an. Das Buch bietet einen sehr umfassenden Überblick über die verschiedenen Bereiche der Linguistik; es überschreitet aber zum Teil den Rahmen einer Einführung und ist so für Anfänger teilweise nur schwer verständlich.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Michael Wiese. Jahr: 2002

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