Die Funktionen von Blicken und Lächeln beim Auffordern

Winterhoff-Spurk, Peter

Frankfurt am Main: Peter Lang 1983

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem gemeinsamen Wirken von Worten und Körpersprache in Bezug auf das Erreichen einer gewünschten Reaktion. Folgende Idee liegt ihm zugrunde: die bisherigen Untersuchungen berücksichtigen die Auswirkungen von nonverbaler Kommunikation zu wenig, da dieses Feld für unwichtig befunden wurde. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen verbalen und nonverbalen Äußerungsweisen zu untersuchen und die Bedeutung vor allem der nonverbalen Kommunikation herauszustellen. Dies soll mit verbalsprachlich formulierten Handlungsaufforderungen auf der einen und Blickkontakt bzw. Lächeln auf der anderen Seite ermittelt werden.

Nach einer kurzen Einleitung setzt sich Winterhoff-Spurk mit diversen Sprachproduktionstheorien auseinander, kommt aber zu dem Schluß, daß das Wirken nichtsprachlicher Äußerungsweisen bisher außer acht gelassen werde und somit wenig Relevanz für seine Studie habe. Aus diesem Grunde untersucht er im folgenden seine Vermutung, daß Sprecher auf direkte und indirekte Aufforderungen mit nonverbalen Handlungsweisen wie Blickkontakt oder Lächeln reagieren, um vor allem in unangenehmen Situationen nicht ad hoc mit einer verbalen Antwort aufwarten zu müssen. Anhand eines Experimentes mit Studenten, die in einem Rollenspiel ihren Gesprächspartnern gegenüber auf verschiedene Weisen die Absicht auf eine "Einladung zum Kaffee" äußern und sie nonverbal unterstützen sollten, wurde festgestellt, daß zum einen Informationsdefizite durch intensive Blickkontakte kompensiert werden und zum anderen die "Lächelzeit" bei bzw. nach der Formulierung von Fragen länger ist als bei anderen Sätzen. Als Ergebnis wurde festgehalten, daß verbal-direkte Aufforderungen nonverbal modifiziert, verbal-indirekte Aufforderungen hingegen nonverbal verdeutlicht werden. Der Erforschung dieser Zusammenhänge sollte laut Aussage des Autors aber in Zukunft besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, die Wirkung nonverbaler Handlungsweisen dürfe nicht weiter verkannt werden.

Die Lektüre dieses Buches war leider weniger informativ als der Titel vermuten ließ. Interessant sind die Vorstellungen der einzelnen Sprachproduktionstheorien, die aber im Verhältnis zu deren Bedeutung für diese Studie viel zu detailliert ausfällt, da im weiteren Verlauf lediglich festgestellt wird, daß sie die Wirkung nonverbaler Handlungsweisen nicht untersuchen und somit für dieses Thema nicht relevant sind. Auch die Vorstellung der Rollenspiele ist aufschlußreich, da dem Leser die alltäglich gebrauchten, aber doch sehr unterschiedlichen Äußerungsweisen und die Auswirkungen sprachloser Handlungen sehr schön verdeutlicht werden.

Abschließend muß noch bemerkt werden, daß diese Arbeit aus dem Jahr 1983 inzwischen stark überholt ist. Mittlerweile wird dem Einfluß von Körpersprache ein größeres Maß an Bedeutung zugemessen, und sie wird vielfach von Autoren beschrieben, z.B. von Jane Lyle; "Körpersprache" (1995) oder Julius Fast: "Versteckte Signale - Körpersprache im Beruf" (1992).

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Imke Schaefer. Jahr: 1999

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