Die Entwicklung visueller Zeichensysteme

Kugler-Kruse, Marianne

Bochum: Studienverlag Brockmeyer 1988

 

Marianne Kugler-Kruse befaßt sich mit den gebräuchlichsten Arten von Gebärdensprache. Die Darstellung der Entwicklung vernachlässigt sie allerdings.

Kugler-Kruse hat sich mit allgemeiner Elektrotechnik und Akustik beschäftigt und dabei die frühen Zeichensysteme als Grundlage für ihre Arbeit gefunden. Sie hat Beobachtungen zusammengetragen, die m. E. zu viele Bereiche umfassen: chinesische Piktogramme, altägyptische Hieroglyphenschrift sowie Gesten bei Kleinkindern und Schimpansen. Jeder Bereich für sich könnte Anlaß für eine gesonderte Arbeit sein.

Ihre Sprache ist mir nicht immer verständlich. Es werden viele Fremdwörter und Fachtermini verwendet, die nicht erläutert oder definiert werden (z.B. Dichotomie, Ikonizität, Arbizität). Es unterlaufen ihr sowohl formale (Wörter verdoppelt, Rechtschreibfehler) als auch inhaltliche Fehler. So bezeichnet sie Morpheme fälschlich als bedeutungsunterscheidende und Phoneme als bedeutungstragende Einheiten (S. 12). Die zahlreichen Darstellungen und Zeichnungen werden häufig nicht gut erklärt, so daß sie ihren Zweck, etwas zu verdeutlichen, leider verfehlen.

Erschwerend für die Lektüre ist die Auflistung der 98 Anmerkungen im Anhang. Das führt dazu, daß der Lesefluß ständig unterbrochen wird. Die Plazierung der Anmerkungen auf der jeweiligen Seite wäre hilfreich. Als störend habe ich auch die sehr starke Gliederung empfunden. In einzelnen Kapiteln führt das zu sechs Unterpunkten, die im Text lediglich eine Seite füllen.

So ist das Buch von Frau Kugler-Kruse nicht als Einführung in das Thema Gebärdensprache zu empfehlen. Vielmehr könnte es eine Ergänzung sein für Studenten, die sich auf anderem Wege in die Grundlagen eingearbeitet haben.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Isabel Zürn. Jahr: 1999

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