Die deutsche Sprachverwirrung. Lächerlich und ärgerlich: Das neue Kauderwelsch

Illgner, Gerhard

Paderborn: Ifb 2003

 

Von Gegenwartssprache über Werbesprache hin zu Anglizismen lässt Gerhard Illgner in seiner scharfen, oft sarkastischen Darstellung der „deutschen Sprachverwirrung“ nichts aus. Zu selten wird bewusst gemacht, unter welchen Veränderungen unsere Sprache durch ihre Nutzer, nämlich uns selbst, leidet, weil wir der Reflektion unfähig zu sein scheinen. Illgner stellt in seinem sprachkritischen Buch dazu einige Beispiele zusammen, die er auf einem Teller, garniert mit Sarkasmus, Zynismus, Ironie und einer guten Prise Humor präsentiert.

Ein nennenswertes Beispiel ist das Schönreden von Kriegen und ähnlichen Katastrophen. Vorwegzunehmen ist der verbildlichende Vergleich Illgners unseres Spracheuphemismus mit jenem in George Orwells Distopie „1984“. In eben diesem Roman wird ein Überwachungsstaat dargestellt, in dem der Sprachgebrauch geprägt ist durch beschönigende Wörter, die beispielsweise mit dem Präfix ´un-` gebildet werden. Derartige Hüllwörter, so Illgner, lassen sich auch in unserem Spiegel der Sprache, dem Duden finden: „ungut, ungern, unschön“ usw. Doch auch andere Beschönigungen in der aktuellen Politik bleiben nicht ungenannt. Sprechen Politiker von Kernenergie, so sprechen sie von „Restrisiken“ oder „Störfällen“.

Ein weiterer Kritikpunkt, der aufgeführt wird, ist der Gebrauch, bzw. Missbrauch von Anglizismen. Gerügt werden nicht die Verwendung unentbehrlicher Anglizismen, sondern lediglich der unnötige Tausch deutscher mit englischen Worten, sowie die falsche Verwendung von englischen Begriffen.
Auch die Befürwortung von Anglizismen durch Mediengestalter kritisiert Illgner, denn deren Argument beruft sich auf die Sprachreglung während des Nationalsozialismus. Dabei scheinen sich diese Kritiker allerdings dessen nicht bewusst, dass besonders Hitler Fremdwörter prägte. „Fremdwörter dienen oft der Verschleierung.“, so Illgner, wie angeführte Begriffe wie „selektieren, eliminieren und liquidieren“, welche er aus dem „Wörterbuch des Unmenschen“ zitiert, zeigen.

Illingers Sprachpflegeappell ist in den meisten Argumentationsschritten und Kritikpunkten nachvollziehbar, allerdings übt er auch überzogene Kritik, beispielsweise an der Umschreibung von Begriffen, wie Städtenamen. Dabei stellt sich die Frage, wie attraktiv ein Leser es wohl fände, in einem Artikel über Berlin eine zehnmalige Wiederholung dieses Städtenamens zu hören. Berlin als Regierungssitz zu charakterisieren ist keinesfalls eine Kodierung von Sprache, sondern lediglich eine ästhetische Umformulierung.

Illgners Sprachsatire ist für einen Fachmann eine amüsante Abendlektüre, allerdings nicht unbedingt empfehlenswert für Laien, die sich mit dem Thema Sprachkritik zuvor nicht auseinander gesetzt haben. Dies ist zum einen darin begründet, dass Illgner oft Referenzen zu anderen sprachkritischen Büchern herstellt, was für Uneingeweihte schwer nachzuvollziehen ist. Zum anderen wird sein Werk durch den ironisch sarkastischen Sprachstil für Laien undurchschaubar.

Als Sprachnutzer ist uns die im Buch Illgners geschilderte Manipulation und der Missbrauch der Sprache oft nicht bewusst. Der Appell des Autors richtet sich somit an uns selbst, Sprache reflektierter aufzunehmen und zu verwenden.





 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Natalie Rohr. Jahr: 2008

Zurück