Die Aufgabe und Gliederung der Sprachwissenschaften

Finck, Franz Nikolaus

Halle a. d. S.: Rudolf Haupt 1905. Nachdruck Frankfurt/M.: Minerva 1976

 

Finck versucht, grundlegende Ideen der Sprachwissenschaften - dem Stand seiner Zeit entsprechend - zu erklären. Das Buch besteht aus einem 55seitigen Text, der in 47 Abschnitte unterteilt ist, die fließend ineinander übergehen. Jeder Abschnitt trägt eine Überschrift, die jedoch nur am Anfang des Buches im Inhaltsverzeichnis angegeben ist. In ihr wird kurz erläutert, was im jeweiligen Abschnitt besprochen werden soll.

Finck unterscheidet zwei verschiedene Gebiete, die die Sprachwissenschaft behandelt, nämlich einmal das Sprechen selber und dann die Sprache als Gesamtheit von Ausdrucksmitteln unabhängig vom Dasein des Sprechers. Er bedient sich philosophischer Theorien von Hume und Kant über Wahrnehmung und Vorstellung, um dem Leser zu verdeutlichen, wie unser Gehirn funktioniert und wie es sprachliche Signale für sich verarbeitet und weiterentwickelt.

Nach der Behandlung der Frage, was denn Sprachwissenschaften sind, kommt er zu dem Punkt, daß das eigentlich zu behandelnde "...Objekt der Sprachwissenschaft nur das Sprechen ist." (S.9), wobei er erklärt, daß die Gesamtheit der Ausdrucksmittel ja nur eine Erinnerung früheren Sprechens sei und insofern dem nicht gleichberechtigt gegenüber stehe. So gelangt er zu der Frage "Was ist Sprechen?", von der ausgehend er seine Auffassung von den Aufgaben der Sprachwissenschaften aufbaut. Von hier aus geht er dazu über, die Besonderheiten einer bestimmten Sprachgemeinschaft auszuarbeiten, vergleicht verschiedene existierende Sprachen und kommt zu dem Punkt, daß der Wortschatz einer Sprachgruppe einen Überblick über den Bestand ihrer Vorstellungen gibt.

So verläuft das gesamte Buch: der Verfasser stellt eine These auf, erläutert diese und kommt zu einer neuen These, die er wiederum erläutert, um so alles zu einer großen Theorie zusammenzusetzen.

Alles in allem erscheint mir das Buch eher als Vorlesung oder als Aufsatz gedacht. Auch bedient sich der Autor nicht immer einer wissenschaftlichen Sprache, sondern verfällt hin und wieder ins Dichterische. Trotzdem scheinen seine Erklärungen doch recht schlüssig, und man kann deutlich Zusammenhänge zur heutigen Sprachwissenschaft sehen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Christian Gardt. Jahr: 1996

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