Deutsche Satzstruktur

Wöllstein-Leisten, Angelika; Heilmann, Axel; Stephan, Peter; Vikner, Sten

Tübingen: Stauffenburg 1997

Das Buch bietet eine solide Grundlage für die Beschäftigung mit der deutschen Syntax und ihren zentralen Fragestellungen. Die neun Kapitel des Buches lassen schnell erkennen, dass jedes einzelne vom Grundgedanken her verschiedenen Grammatiktheorien zugehörig ist, wobei keiner Theorie der quantitative Vorrang gegeben wird. Dabei bedient sich die generelle sprachliche Ausgestaltung, allein schon aus Gründen der allgemeinen Verständlichkeit, der herkömmlichen Latein-Grammatik, so dass letztlich ein leichter Zugang zur Materie gewährleistet ist. Des Weiteren helfen kleine Übungsaufgaben am Ende jedes Kapitels sowie ein umfangreicher Index dem interessierten Studienanfänger.

Das erste Kapitel gibt eine allgemeine Einführung in die Syntax und befasst sich mit dem Grundbegriff der Grammatik sowie der Frage, ob sie normativ oder deskriptiv sein soll. Das zweite Kapitel beginnt im Folgenden mit der eigentlichen Thematik, nimmt den ganzen Satz als Gegenstand der syntaktischen Analyse und stellt Methoden vor, um die einzelnen Konstituenten, die einen Satz bilden, zu bestimmen.

Daran anschließend führt das dritte Kapitel die Begriffe ,Kategorie’ und ,Funktion’ ein und unterscheidet dabei die lexikalischen und die phrasalen Kategorien, was an vielen nachvollziehbaren Beispielsätzen und Bestimmungshilfen erläutert wird.

Das vierte Kapitel steht dagegen mehr im Dienst der lateinischen Schulgrammatik und befasst sich mit Satzgliedern, Satztypen sowie der grammatischen Funktion von Sätzen. Auch an dieser Stelle weiß das Buch durch seinen gut strukturierten Aufbau und den zahlreichen Beispielen zu überzeugen.

Ein gänzlich anderer Weg wird dagegen in Kapitel fünf beschritten, in dem, wenn auch nicht immer ganz verständlich, das topologische Modell erläutert wird, das mit seiner Klammerstruktur erlaubt, allgemeingültige Aussagen über das Auftreten von Elementen an festgelegten Positionen im Satz zu treffen. Mit dieser Erkenntnis legt es eine wichtige Grundlage für weiterführende Grammatiktheorien.

Das sechste Kapitel behandelt ein ähnlich anspruchsvolles Modell, bei dem es um die syntaktische Beschreibung von Infinitivkonstruktionen geht. Wenngleich das Kapitel recht kompliziert aufgebaut ist, so hilft es, das Gesamtbild der deutschen Grammatiktheorien zu vervollständigen.

Einfacher aufgebaut ist dagegen das Kapitel sieben, welches sich mit den einzelnen Tempora befasst. Es deckt zum einen wieder den klassischen Teil der Lateingrammatik ab, gibt aber ebenso einen Überblick über eine Herantretensweise des Strukturalismus, der für alle Tempora zwei Betrachtungsweisen einführt. Damit erhält man analog zu den drei Merkmalen der Tempora drei Relationen, die zwischen Sprechzeit und Betrachtzeit 1, Betrachtzeit 2 und 1 und Betrachtzeit 2 und Ereigniszeit bestehen. Ein sehr lobenswertes Kapitel also, das die gängige Auffassung und Handhabung der grammatischen Zeiten in der deutschen Sprache in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.

In Kapitel acht wendet sich das Buch einem Aspekt der Grammatik zu, der die Informationsstruktur von Verben in den Mittelpunkt stellt. Grundlage für die Analysen sind Einsichten, die auf die Dependenzgrammatik und die daraus hervorgegangene Valenztheorie zurückgehen. Die dargestellte Analyse hat den Vorteil, dass sich damit die Zusammenhänge bei der Kasusrealisierung in Aktivsätzen und bei Passivierung aus denselben theoretischen Annahmen heraus erklären lassen.

Kapitel neun behandelt Teilklassen der Pronomina ausführlicher und erläutert insbesondere die verschiedenen Funktionen des lexikalischen Elementes es.

 

Zusammengenommen stellt das Buch weder eine allgemeine Einführung in die Linguistik dar, noch sollte es als eine Art Schnelldurchgang durch die deutsche Grammatik verstanden werden, sondern eher als ein äußerst informativer Überblick über das weite Feld der Syntax. Allerdings ist er nicht an allen Stellen leicht zu verstehen, weswegen das Werk mehr Kopfzerbrechen bereithält, als sein Umfang es vermuten lassen würde.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Gereon Mayer (TheNightbringer@gmx.net). Jahr: 2003

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