Der Weg zur deutschen Geschichte. Von der indogermanischen bis zur Merowingerzeit

Scardigli, Piergiuseppe

Bern: Peter Lang 1994

 

(1) Zum Thema

Gegenstand des vorliegenden Buches ist die historische Entwicklung der deutschen Sprache, angefangen von der indogermanischen Vorzeit über die germanische Vorzeit zur Merowingerzeit. Die Untersuchungen erstreckt sich über den Zeitraum vom 4. Jh. vor Christus bis etwa zum 8. Jh. nach Christus.

(2) Zum strukturellen und inhaltlichen Aufbau

Das Werk ist in fünf Kapitel untergliedert, welche zumeist noch in zahlreiche Unterpunkte aufgeteilt sind. Diesem Hauptteil sind ein Vorwort und eine ausführliche Einleitung vorangestellt.

Im Vorwort erklärt der Verfasser, auf welche Weise er argumentiert und seine Aussagen zu beweisen versucht. Ihm ist bewußt, daß seine Erklärungsansätze aufgrund der Beweislage auch anders interpretiert werden können.

In der Einleitung gibt er einen Ausblick über die folgenden Kapitel und definiert die grundlegenden Begriffe, die zum Verständnis erforderlich sind. Zu nennen sind unter anderem die 1. und 2. Lautverschiebung.

Im ersten Kapitel über die indogermanische Vorzeit wird festgestellt, daß das Indogermanische die Ursprache aller heute existierenden Sprachen sein muß.

Im zweiten Kapitel stellt der Autor die Germanen vor, deren Sprache als eine Untergruppe der indogermanischen zu verstehen ist. Die germanische Sprache hob sich von ihrer Ursprache ab durch die erste Lautverschiebung in der Mitte des 1.Jhs. v. Chr. und durch die Festlegung des vorher freien Wortakzents auf die erste Silbe.

Die weiteren beiden Kapitel beziehen sich auf die schriftlichen Überlieferungen und die Völkerwanderung, durch die es zu Staatengründungen der Germanen kam, so zum Beispiel: die Franken in Gallien.

Durch die Völkerwanderung kamen auch andere sprachliche Gruppierungen wie z.B. die Kelten mit dem Germanischen in Berührung. Durch die Existenz von übereinstimmenden Begriffen verschiedener Völker wird bewiesen, daß es sprachliche Angleichungen gab. In Kapitel 3 wird dies an germanischen Runeninschriften verdeutlicht, in Kapitel 4 hingegen mit Hilfe der Heldendichtung und überlieferten zusammengesetzten Ruf- oder Ortsnamen.

Im fünften und letzten Kapitel werden die Merowinger behandelt, die als fränkisches Königsgeschlecht das Erbe des zerfallenen römischen Reiches antraten und somit auch mit der latainischen Sprache in Kontakt kamen und deren Schrift übernahmen.

(3) Zur Argumantationsweise und persönlichen Beurteilung

Der Autor hat versucht, ein Buch zu schreiben, das selbst ein Laie voll erfassen kann. Aufgrund der sehr detaillierten Gliederung wird dem Leser die Argumentationsweise offengelegt.

Die einzelnen Kapitel, in denen es um die sprachlichen Entwicklungen der Völker geht, sind so aufgebaut, daß von deren Kultur und Geschichte auf die Sprache geschlossen wird. Anhand von Beispielen und Vergleichen wird die archäologische und wissenschaftliche Dokumentation untermauert. Die angeführten Beispiele ermöglichen dem Leser, der ansonsten recht abstrakten Thematik eine bildhaftere Vorstellung zu verleihen.

Jedoch kann man bemängeln, daß durch die vielen separaten Unterpunkte der Argumentationsstrang unterbrochen wird und die eigentlich stark verknüpften inhaltlichen Schwerpunkte nicht richtig zum Ausdruck kommen. Der Leser läuft also Gefahr, die einzelnen Passagen nicht in ihrem Zusammenhang zu erkennen und dadurch den Überblick zu verlieren.

Generell kann man aber sagen, daß es dem Autor gelungen ist, einen umfassenden Überblick über die Sprachentwicklung und den historischen Hintergrund dieser Zeit zu vermitteln. So wird dem Laien ein Einstieg in eines der weiten Felder der Germanistik geboten.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Claudia Ratka. Jahr: 1997

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