Den Strukturalismus verstehen. Einführung in das strukturale Denken.

Fages, Jean Baptiste

(Titel der französischen Originalausgabe: Comprendre le structuralisme)
Gießen: Andreas Achenbach 1974

Das Buch "Den Strukturalismus verstehen" gibt eine kurze Einführung in den Strukturalismus ausgehend von der Sprachwissenschaft. Zudem geht der Autor auch auf weitere Anwendungsmöglichkeiten des strukturalen Denkens ein. Das Buch ist in drei Teile gegliedert: "Die Modelle", "Die Regeln" und "Anwendungsbereiche". Außerdem enthält es ein kurzes Vorwort, im Anschluss an die Oberkapitel kritische Ausblicke und ein "Kleines strukturalistisches Glossar".

Im Vorwort wird zunächst der Begriff Strukturalismus geklärt und ein kurzer Überblick über die Gliederung des Buches gegeben.

Der erste Teil "Die Modelle" ist in die beiden Kapitel Semiologie und Semantik unterteilt, welche in mehreren Unterkapiteln in die wichtigen Begriffe dieser Bereiche einführen. So werden in den Unterkapiteln zur Semiologie (A) die Teilung der menschlichen Rede in langue und parole, der doppelte Aspekt von Zeichen als Signifikant und Signifikat, die Beziehungen und Wechselspiele der Sprache (Syntagma und Paradigma), die verschiedenen Bedeutungsebenen der Sprache (Denotation und Konnotation) und die Objekt- und Metasprache vorgestellt. Das Kapitel zur Semantik (B) behandelt nach einer kurzen Darstellung der geschichtlichen Entwicklung in diesem Bereich in seinen Unterkapiteln die elementaren Strukturen der Bedeutung, mit der Semanalyse das Aufspüren der kleinsten bedeutungstragenden Einheiten und die Ebenen und Mittel des Diskurses.

Mit dem zweiten Teil ("Die Regeln") werden die dem Strukturalismus zugrunde liegenden Regeln erläutert: Immanenzregel, Relevanzregel, Kommutationsregel, Regel der Kompatibilität und Inkompatibilität, Integrierungsregel, Regel des diachronen Wandels und Funktionsregeln.

Der dritte Teil ("Anwendungen"), der in sechs Kapitel gegliedert ist, bietet über die Linguistik hinaus einen Überblick über die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten der strukturalen Analyse anhand der Analyse von Essenszubereitung, Mode, Film und Fernsehen, Information und Werbung, Erzählungen (einschließlich Mythen und Märchen) und Literatur.

Im Anschluss an diese drei Teile wird mit dem Kapitel "Ausblicke" der Versuch einer kritischen Beurteilung des Strukturalismus unternommen.

Zunächst ist allgemein festzustellen, dass das Buch eine kurze und gute Einführung in den Strukturalismus aus linguistischer Sicht bietet. Fages stellt durch das ganze Buch hindurch den Strukturalismus nicht nur als feststehendes Gebilde vor, sondern zeigt seine geschichtliche Entwicklung auf und versucht zu erklären, wie es zu dem einen oder anderen Aspekt gekommen ist. Dies unterlegt er meist mit Zitaten von wichtigen Strukturalisten wie z.B. dem Begründer der Theorie, Ferdinand de Saussure, aber auch Roland Barthes oder Claude Lévi-Strauss. Dies ist ein guter Ansatz, führt jedoch an einigen Stellen zum Stocken des Leseflusses, da der Leser sich an immer neue Ausdrucksweisen gewöhnen muss und zudem nicht auf alle Zitate ausführlich eingegangen wird, so dass Verständnisschwierigkeiten auftreten können. Die Anwendung des strukturalen Denkens in weiteren Bereichen vorzustellen, ist positiv zu vermerken, wobei dies wirklich nur als kurzer Überblick oder erste Information zu verstehen ist. Alles, was darüber hinausgehen und zum wirklichen Verständnis führen soll, kann nur durch weiterführende Literatur geleistet werden. Auch der Ansatz der kritischen Ausblicke ist ein guter, doch ist dieser Abschnitt des Buches etwas schwerer verdaulich, vor allem durch die vielen Bezüge zu weitergehenden Theorien z.B. von Marx. Besonders positiv hervorzuheben ist das "kleine strukturalistische Glossar", welches die Möglichkeit bietet, auch beim ersten Lesen die Fülle der neu eingeführten Begriffe zu bewältigen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Hildegard Mihm . Jahr: 2003

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