Das Erschließen unbelegter Sprachen. Zu den theoretischen Grundlagen der genetischen Linguistik

Holzer, Georg

Frankfurt/M. u.a.: Lang 1996

 

Holzer behandelt die Methoden zur Erschließung von Ursprachen, von denen keine schriftlichen Dokumente vorliegen. Die Vorgehensweisen sind breit gefächert: Rekonstruktionen, Gleichungen, Regelmäßigkeiten, Vergleiche, Differenzen und Ähnlichkeiten mit bzw. zu den heutigen Sprachen, Bilder, Etymologie (Wissenschaft der Wortherkunft) und Reproduktionen.

Holzer geht in seiner Gliederung immer wieder nach dem selben Muster vor: Er trägt seine Gedankengänge dem Leser, vorbereitend auf seine Thesen, in Bildern vor, d.h. jeder neue Gedankengang wird in geometrische Zeichnungen umgewandelt, in Kreisen und Linien darstellend auf einer eher primitiven Ebene vorgetragen. Nach jedem neuen Unterkapitel (9 Kapitel und 58 Unterkapitel insgesamt) kommen im Buch ein bis zwei verbildlichte Darstellungen vor. Dieser Vorgehensweise folgt dann eine sehr präzise Bezugnahme auf Sprache, d.h. die Methode zum Erschließen einer Sprache wird durch Bilder erklärt. Nach den anfänglichen Beispielen je Kapitel und Unterkapitel erfolgt eine sehr genaue Beschreibung der Bilder. Der Leser wird somit indirekt dazu aufgefordert, mitzudenken und Veranschaulichungen anhand von Zeichnungen selbst vorzunehmen. Die hergestellten Beziehungen zur Sprache werden in einer sehr verständlichen Art und Weise dem Leser mitgeteilt. Die verwendete Sprache ist sehr einfach: Auf Fremdwörter, ausgenommen die linguistischen Fachbegriffe, hat Holzer völlig verzichtet; er erklärt die Methode zum Erschließen der Sprache in einer für den Leser leicht erschließbaren Sprache. Als der rote Faden bestimmt sind die Bilder, die den Leser das ganze Buch über begleiten, ohne dabei monoton zu sein.

Dieses Buch ist für Anfänger-Linguisten sehr geeignet. Holzer hat ein komplexes Thema vereinfacht und sehr gelungen dargestellt.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Sebnem Calim. Jahr: 2000

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