Abenteuer Sprache

Störig, Hans Joachim

München: dtv 2002

[...] "Wohlauf, lasset uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe!" [...] (1. Mose 11)

Darf man den Aufzeichnungen der Heiligen Schrift Glauben schenken, so verdanken wir es dem Allmächtigen höchst selbst, dass sich die Menschheit mit einer beinahe unüberschaubaren Anzahl von Sprachen und den daraus resultierenden Verständigungsproblemen konfrontiert sieht. Für diejenigen aber, die eine eher wissenschaftliche Erklärung für die heutige Sprachenvielfalt bevorzugen, gibt Hans Joachim Störig in "Abenteuer Sprache" einen Überblick über die Entwicklungsgeschichte der Sprachen.

Wie viele gibt es? Wie sind sie entstanden? Wo liegen Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede? Mit diesen Fragen im Gepäck beginnt die Reise im Alten Ägypten. Hier wird das Geheimnis der Hieroglyphen gelüftet und die Keilschrift entziffert. Von dort aus geht es nach Indien, wo es die Ähnlichkeit des Sanskrit mit den Sprachen Europas zu entdecken gibt. Vorbei an der indogermanischen Sprachfamilie, und nach einer Rast in griechischen Gefilden führt der Weg nach Europa. Nach einer Begegnung mit Mutter Latein und ihren stolzen Töchtern geht die Reise weiter: Auf direktem Weg ins Deutsche, von dort ein Kurztrip ins Rotwelsche, ein Ausflug in die moderne englische Gegend, dann noch die nichtindogermanischen Sprachen besuchen, Afrika, eine Tour durch die Theorie des Sprachbaus, noch einen letzten Abstecher ins Exotische, und dann erreicht der Leser nach fast 300 Seiten detaillierter Sprachgeschichte das Heute.

Das "Abenteuer Sprache" ist eines, auf das man sich gänzlich ohne Vorwissen einlassen kann. Dem Autor gelingt es auf durchaus wissenschaftlichem Niveau, selbst den Nicht-Sprachwissenschaftler zu interessieren. Wer allerdings ein paar Begrifflichkeiten aus dem Grundkurs Linguistik parat hat, ist deutlich im Vorteil.

Hans Joachim Störig ist es gelungen, das komplexe Beziehungsgeflecht der Sprachen in einfachem und flüssigem Erzählstil darzubieten. Einzig die an manchen Stellen akribische Detailtreue, die dem Autor nicht einmal zum Vorwurf gemacht werden kann, verhindert es, das Buch als neudeutsch "unputdownable" zu bezeichnen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Tanja Ellies . Jahr: 2003

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