Orientierung Linguistik.

Geier, Manfred

Reinbek bei Hamburg 1998, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 206 S., DM 15,90

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Das Erstaunen ist der Ursprung der Wissenschaften und, MANFRED GEIER zufolge, somit auch der Ursprung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Sprache. Dieser, zumindest sinngemäß, auf Platon zurückzuführende Gedanke stammt aus der Antike. Die griechischen Philosophen waren die ersten, die sich mit Sprache befaßt haben. Aber auch bis in unsere heutige Zeit hat das Interesse an ihr nicht nachgelassen. Der zuerst von Wilhelm von Humboldt gegebene Hinweis, die Sprache sei "[...] Ausdruck der kreativen Möglichkeit, unendlichen Gebrauch von endlichen Mitteln machen zu können" ist es, der den Kurs dieses Buches vorgibt.

Die fünf Kapitel dieses Buches sind in weitere Abschnitte unterteilt, die aufeinander aufbauen.

Im ersten Kapitel beschäftigt sich der Autor mit der "Sprachwissenschaft als Studienfach". Er spricht die "Legitimationskrise" eines geisteswissenschaftlichen Studiums in einer stark naturwissenschaftlich dominierten Welt an. Dabei kommt der Linguistik im Gegensatz zu den traditionsreichen Philologien eine Sonderstellung zu. Ohne sich von ihren geisteswissenschaftlichen Wurzeln abzutrennen, hat die internationale Linguistik einen neuen Weg eingeschlagen, auf dem es zu einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen, eher naturwissenschaftlich orientierten Wissenschaften kommt.

Weiterhin werden Lehrangebote und Lernanforderungen aufgezeigt. Besonders erwähnenswert für den Autor sind die Werke von Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Ferdinand de Saussure (1857-1913), Ludwig Wittgenstein (1889-1951), Roman Jakobson (1896-1982) und Noam Chomsky (geboren 1928). Es sind auch die Arbeiten und Theorien dieser Wissenschaftler, die MANFRED GEIER in den folgenden Kapiteln vorstellt.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit Ferdinand de Saussure, dem Begründer der modernen Linguistik. Dabei werden, wie auch in den anderen Kapiteln, linguistische Fachtermini eingeführt und anhand von einigen Beispielen dargestellt. Einzelnen linguistischen Problemen (Kap. 3), einer "Wissenschaftstheorie für Anfänger" (Kap. 4) sowie den Methoden und Disziplinen der Linguistik (Kap. 5) sind die restlichen Seiten dieses kleinen Bandes gewidmet.
Ein recht umfangreicher Anhang, in dem sowohl Einführungen, Fachwörterbücher, Nachschlagewerke etc. aufgeführt als auch Studierhilfen und Berufsfelder genannt werden, schließt das Buch ab.

MANFRED GEIER , Professor für Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Hannover, möchte, wie der Titel bereits sagt, mit diesem Buch eine Orientierungshilfe zur Linguistik geben. Geier wendet sich insbesondere an Schüler/innen, die unter Umständen ein sprachliches Studium aufnehmen wollen, Studierende, denen ein breiteres Spektrum der Linguistik vorgestellt werden soll und sprachinteressierte Laien.

Das Buch ist durchweg verständlich geschrieben. Fachbegriffe werden behutsam eingeführt und maßvoll eingesetzt. Nur ein geradezu inflationärer Gebrauch des Ausdrucks Paradigma stört, was dem Lesevergnügen jedoch nicht im Wege steht.

Hauptströmungen und Methoden der modernen Linguistik werden genauso wie linguistische Disziplinen und die von ihnen behandelten Probleme vorgestellt. Gerade bei der Darstellung einiger linguistischer Probleme beweist der Autor, daß er auch Humor besitzt. Die ausgewählten Beispiele zu den Themen Versprecher und Computerübersetzung sind äußerst witzig.

Als Einstieg in die Sprachwissenschaft ist ORIENTIERUNG LINGUISTIK ausgesprochen empfehlenswert.

Rezensiert von Drazan Rozic. Jahr 1999.

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