NetzWerkBuch Computer

Perrin, Daniel ; Jörg, Petra

Bern: Zytglogge Verlag 1995

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"Eine Schule, die neues Wissen an der Alltagserfahrung der Lernenden festmachen und so aufs Leben vorbereiten will, kommt am Alltag und am Leben nicht vorbei. Im Alltag spielen Kinder mit Gameboys, "surfen" Jugendliche durchs Internet; im Beruf, als Erwachsene, werden sie mit Datenbanken und Netzwerken arbeiten. Weil aber der Computer heute selbstverständlich zu, Leben gehört, gehört er selbstverständlich auch in die Schule: Als Arbeitswerkzeug und als Gegenstan kritischer Reflexion." (a.a.O, S. 3)

Nicht selten steht man als Lehrer vor dem Problem, wie man den Computer zu einem Unterrichtsgegenstand machen, ja den Rechner überhaupt sinnvoll in den Schulunterricht integrieren kann.

In diesem Zusammenhang kann das in der Schweiz erschienene "NetzWerkBuch Computer" eine wertvolle Hilfe sein. "Weder Begeisterung noch Abscheu für Datenhighways oder Datagloves gilt es zu wecken. Ziel ist das, worum es im institutionalisierten Lehren und Lernen in der Schule immer geht: Verstehen zu lernen." (S. 2)

Worum geht's?

Das insgesamt 139 Seiten starke Buch enthält 20 Unterrichtseinheiten, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Medium Computer beschäftigen und es sowohl zu einem "Arbeitsinstrument" als auch zu einem "untersuchten Objekt" machen (ebd.). Dabei liegt es den Autoren fern, eine Medien-Euphorie zu erzeugen. Vielmehr geht es um die Bewußtmachung dessen, was mit und durch den Computer im Alltag geschieht und sich verändert. Eine Unterrichtsreihe thematisiert beispielsweise die verschiedenen Kommunikationsformen, die durch unterschiedliche Medien wie der traditionelle Briefverkehr, E-Mail und Video-Conferencing ausgelöst werden.

In einer anderen Unterrichtsidee ("Lachen übers ,Expertensystem'") wird die Leistungsfähigkeit elektronischer Rechtschreibprogramme getestet. Die Schüler lernen auf sehr anschauliche Weise, daß "Sprache [...] mehr als eine Folge einzelner Zeichen [ist]; sie vermittelt übergreifenden Sinn." (S. 39)

In "Computer Netzwerkbuch" geht es aber auch darum, die "Grenzen der "Interaktivität" auf Distanz, wie sie am Computer möglich ist", zu erforschen ("Interaktiv, interpassiv", S. 89). Auch zum Thema "Multimediale Lernsoftware testen" gibt es interessante Vorschläge.

Die Gestaltung des Buchs

Zugegeben: nicht immer ist es leicht, die technischen Voraussetzungen zu erfüllen, um eine Unterrichtsreihe durchzuführen (etwa die Konferenzschaltung für die Reihe "Neu miteinander sprechen lernen"). In den meisten Fällen läßt sich das nötige Unterrichtsmaterial aber einfach herbeischaffen.

Das Layout des "NetzWerkBuch Computer" ist originell gestaltet: "auf der linken Seite harrt "die Theorie", die Hintergrundinformation" (S. 4), während auf der rechten Seite entsprechend vorbereitete und praxiserprobte Ideen in Form von Unterrichtssequenzen stehen. Zu jeder Unterrichtsreihe gibt es Arbeitsblätter (Kopiervorlagen), die zum Teil sehr pfiffig illustriert sind.

Der "Theorieteil" des "NetzWerkBuch Computer" - also das, was jeweils auf der linken Buchseite steht - setzt sich maßgeblich aus ausgewählten Zitaten zu den jeweiligen Themen zusammen (die Quellen sind jeweils angeführt). Das besondere daran ist, daß wichtige Fachbegriffe besonders hervorgehoben sind und sich in einem "Hypertext-Lexikon", das sich über 30 Seiten erstreckt, nachschlagen lassen. Das karteikartenähnliche Nachschlagesystem informiert beispielsweise über Lemmata wie "Analog-Digital-Wandler", "Eyphone", oder "Local Area Network" und "Mailbox". Innerhalb der einzelnen Lexikon-Artikel gibt es zusätzliche Querverweise und in vielen Fällen auch Angaben darüber, an welchen Stellen im Buch das Stichwort beispielsweise auftaucht.

Pädagogisches Geschick gefragt

Das Buch ist sehr locker und ansprechend geschrieben, vor allem das Hypertext-Lexikon ist leicht verständlich. Um das Layout konsequent beizuhalten, durften die Theorie- und Praxisseiten (also die linke und die rechte Seite) aus drucktechnischen Gründen nicht länger als jeweils eine ganze Seite sein (das Buch ist im DIN-A4-Format). Aus diesem Grund scheint besonders der Praxisteil - obwohl durchweg klar strukturiert - manchmal etwas knapp dargestellt zu sein. Vor allem der Lernweg (jeweils mit der Marginalüberschrift "Weg" kenntlich gemacht) ist oft nur sehr knapp skizziert; hier ist letztendlich der Lehrer und sein "pädagogisches Geschick" (vgl. auch S. 9) gefragt, wie er die Unterrichtsideen nun konkret im einzelnen umsetzt. Daß Unterricht immer eine Mischung aus "Arrangement" und "Improvisation" ist, wie Ernst Meyer1 es ausdrückt, versteht sich von selbst. Das dürfte besonders für die Unterrichtssequenzen wichtig sein, die im "NetzWerkBuch Computer" vorgestellt werden. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es bei allen Themen handlungsorientiert zugeht und in den meisten Fällen in Gruppen gearbeitet wird. Die Schüler gehen gewissermaßen entdeckend vor, der Lehrer ist vielmehr der "Arrangeur", der gleichzeitig auch improvisieren muß.

Unter den Abschnitten "Medienlink" und "Netzwerklink" findet der Leser Anregungen für einen Ausbau oder eine Vertiefung der jeweiligen Unterrichtssequenz - natürlich in Eigenregie, was gewisse Anforderungen an die Kreativität sowie das pädagogisch-didaktische Geschick des Lehrers stellt. Dazu gibt es entsprechende Literaturempfehlungen oder Hinweise auf geeignete audio-visuelle Medien (Video, CD-ROM, CD-i); die "Netzwerklinks" sind ausgewählte Internet-Adressen, mit denen im weiteren Verlauf des Unterrichts gearbeitet werden kann.

Fazit

Ein Buch voller Praxisideen und Materialien, das für den Unterricht (in erster Linie Mittel- und Oberstufe), bei dem es um den Computer als Lernwerkzeug und Untersuchungsgegenstand geht, sehr zu empfehlen ist. Das "NetzWerkBuch Computer", das von der Forschungsstelle für Schulpädagogik und Fachdidaktik der Universität Bern herausgegeben wurde, erhielt in der Schweiz übrigens den ersten Lehrmittel-Buchpreis.

Verlagsanschrift:

Zytglogge Verlag
Eigerweg 16

CH - 3073 Gümligen

Anmerkung:

1Meyer, Ernst: Gruppenunterricht. Grundlegung und Beispiel. 6. Auflage [und häufiger], Oberursel (Ts.) 1972.

Rezensiert von Sascha Reuen.

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