Langenscheidts Internet-Wörterbuch Englisch-Deutsch

Herda, Susanne u.a.

Berlin, München, Wien, Zürich, New York: Langenscheidt-Redaktion; Süddeutsche Zeitung online 2000

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(Völlige Neubearbeitung 2000. [Originalausgabe 1997 von Eve und Rumold Hochrath] Herausgegeben von der Langenscheidt-Redaktion in Zusammenarbeit mit Süddeutsche Zeitung online. Bearbeitet von Susanne Herda und Jürgen Fischer. Berlin, München, Wien, Zürich, New York.

Wer hat nicht schon einmal verzweifelt nach Erklärungen oder Auflösungen für die zahllosen Abkürzungen und Fachbegriffe gesucht, die mit dem Internet im Laufe der letzten Jahre entstanden sind? Wenn auch der eine oder andere Begriff (wie zum Beispiel E-Mail, Web Site oder Hypermedia ) mittlerweile Bestandteil der Alltagssprache geworden ist, so bleibt doch der weitaus größere Bereich der Internet-Sprache, die sich zwischen Jargon und Fachsprache bewegt, erklärungsbedürftig. Entsprechend der Herkunft des Internets entstammen fast alle Begriffe dem amerikanischen Englisch, und so ist es konsequent, ein "Internet-Wörterbuch" mit dem Untertitel "Englisch-Deutsch" zu versehen.

Langenscheidts Internet-Wörterbuch verzeichnet nach Angabe der Herausgeber 1.200 Einträge "aus der Welt des Internets, darunter viele hundert aktuelle Einträge zu den jüngsten Entwicklungen im "Net", wie zum Electronic Commerce und zur Schnittstelle Internet-Telefonie" (Seite 3). Zudem verweisen die Herausgeber auf eine Web-Site (www.networds.de), die fortlaufend aktualisiert wird und in Form einer Datenbank auch eine Volltext-Recherche ermöglicht. Der folgende Screenshot zeigt das Ergebnis einer Recherche nach dem Stichwort "URL".

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Wozu aber eine gedruckte Version, wenn das Internet-Wörterbuch im Web online und zusätzlich mit der Möglichkeit zur Volltext-Recherche zur Verfügung steht?

Zunächst darf man davon ausgehen, dass gerade Internet-Neulinge einen konventionellen Zugang zur Sprache des Internets mithilfe eines gedruckten Wörterbuchs vorziehen; nicht immer steht ein Zugang zum Netz zur Verfügung, und gerade bei der Lektüre von Fachzeitschriften, Aufsätze etc., in denen es ums Internet und Neue Medien geht, wird man ein gedrucktes Wörterbuch schätzen. Aber auch der fortgeschrittene Benutzer wird im Internet-Wörterbuch Begriffe finden, die ihm nicht jeden Tag begegnen. Etwa dann, wenn ein SysOp (Systembetreuer; der Begriff wird im Wörterbuch auf Seite 160 erklärt) einem Teilnehmer in einem Intranet (geschlossenes kleines Netzwerk (erklärt auf Seite 96)) bei einer Störung erklärt, er habe mit PING den Anschluss geprüft und festgestellt, dass der Rechner des Teilnehmers erreichbar sei und die Störung auf Seiten des Benutzerrechners zu suchen sei. Im Wörterbuch (Seite 133) erfährt man dann, dass PING ein Programm ist, dass "durch Versenden von Testdaten im Internet "herumtastet" (...), um festzustellen, ob eine Zieladresse (...) existiert bzw. betriebsbereit ist".

Die Verweise innerhalb der Einträge sind sinnvoll und weitreichend, sodass gerade Neulinge komplexe Einträge anhand der ausführlichen Verweise ohne große Mühe auflösen können. Zur Illustration zeigt die folgende Abbildung eine Beispiel-Seite aus dem Wörterbuch:

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Die Herausgeber streben eine möglichst wörtliche Übersetzung an, wobei dann mitunter recht merkwürdige Wortungetüme entstehen. So wird aus dem "Uniform Resource Locator" der "einheitliche Quellenlokalisierer" – ein Begriff, der nur wenig Klarheit schafft, was allerdings durch die Erklärung zu diesem Begriff (Seite 168) ausgeglichen wird. An solchen Stellen sollte man vielleicht auf eine Übersetzung verzichten, was andernorts auch geschieht (zum Beispiel bei Begriffen wie "CGI" (Seite 40) oder "CDF" (Seite 38)). Auf der anderen Seite findet man bei "emoticon" lediglich den erklärenden Zusatz "Kunstwort", ohne dass man durch die Nennung der beiden Begriffe "emotion" und "icon" eben dieses Kunstwort aufschlüsselt. Das erstaunt umso mehr, als man den Emoticons ein eigenes Kapitel im Anhang des Buches (187-192) widmet.

Dass Internet-Provider wie AOL oder CompuServe aufgenommen wurden, ist allein schon deshalb angemessen, weil diese Provider zum Wachstum des Internets und zur stetig steigenden Zahl seiner Benutzer maßgeblich beigetragen und entsprechende Bekanntheit erlangt haben. Schwer nachvollziehbar ist aber, dass man den Internet-Buchhändler "Amazon" als Stichwort findet. Zudem wird die Firma Amazon ein weiteres Mal bei den "Hinweise(n) für Benutzer" (Seite 5) zur Illustrierung eines Beispieleintrags hervorgehoben. Hier wird plumpes Product Placement betrieben, auf das man besser verzichtet hätte.

Die Kriterien für die Auswahl der 1.200 Einträge werden nicht genannt, statt dessen wird aber darauf hingewiesen, dass die historische Entwicklung und die neuer Techniken und Begriffe nur durch die Aufnahme auch mittlerweile nicht mehr verwendeter Ausdrücke verständlich sind. Aus diesem Grund wurden einige ‚ältere‘ Stichwörter (wie zum Beispiel ARPA (zur Erklärung des ARPAnet, dem Vorläufer des Internets)) mit aufgenommen. Der hohen Zahl von "Neuzugängen" wird durch die ständige Aktualisierung der oben erwähnten Datenbank Rechnung getragen, sodass es sich empfiehlt, das gedruckte Wörterbuch mit der ergänzenden Online-Version zu gebrauchen.

Fazit: Das Internet-Wörterbuch von Langenscheidt ist sowohl für Internet-Neulinge als auch für Fortgeschrittene zu empfehlen. Die das Buch ergänzende Webseite stellt die erforderliche Aktualität sicher und ermöglicht darüber hinaus noch eine Volltext-Recherche. Der günstige Preis erleichtert die Anschaffung für Schüler und Studierende.

Rezensiert von Hermann Cölfen. Jahr: 2000

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