Grundkurs Sprachwissenschaft

Volmert, Johannes (Hg.)

München: Fink (UTB) 1995

 

Das vorliegende Buch stellt auf 250 Seiten wichtige Bereiche der Linguistik vor, so daß StudienanfängerInnen durch die Lektüre eine gute Grundlage für das Germanistik-Studium erhalten. Dem Leser werden Kenntnisse vermittelt von historischer Linguistik über Phonetik und Phonologie, Morphologie, Wortbildung, Syntax und Semantik bis zu Orthographie und Spracherwerb - letzteres sowohl auf mündliche als auch auf schriftsprachliche Kompetenzen bezogen. Das im Anhang beigefügte Register erleichtert das schnelle Auffinden eines Begriffes.

Bei unserer Arbeit als Tutorinnen in einem Grundkurs für Erstsemester jedoch mußten wir Mängel verzeichnen, die das Buch an einigen Stellen für Leser ohne Vorwissen weniger geeignet erscheinen lassen. Oftmals ist der Text von Fachbegriffen, die nicht immer ausreichend erklärt werden, überfrachtet und somit schwer zu verstehen. Auch die auf kleinen Raum gedrängte und in sehr wissenschaftlichem Stil dargebotene Flut von Informationen wirkte auf den einen oder anderen erdrückend. Daher wäre es günstig, jedem Kaptitel eine Zusammenfassung anzufügen. Weiterhin würden Übungsaufgaben - mit Schlüssel im Anhang - die eigene Arbeit der Studienanfänger mit diesem Buch erleichtern. Das Kapitel über den Schriftspracherwerb ist nur für StudentInnen des Lehramts Primarstufe interessant. Eventuell wäre es günstiger, das Buch auf die `klassischen' Bereiche zu beschränken und den Spracherwerb ganz auszusparen.

Zu kritisieren ist weiterhin, daß die von verschiedenen Autoren verfaßten Kapitel sprachlich und inhaltlich nicht aufeinander abgestimmt wurden, so daß man nicht den Eindruck eines durchgängigen Textes gewinnt. Außerdem zeichnet sich das Buch durch eine Anzahl von Rechtschreibfehlern aus, die so gehäuft auftreten, daß sie beim Lesen behindern. Zusätzlich werden Aufzählungen begonnen und nicht beendet: So ist z.B. im Kapitel `Morphologie' von flektierenden und agglutinierenden Sprachen die Rede. Der unkundige Leser muß nun davon ausgehen, daß es keine weiteren Sprachtypen gibt.

Leider wurde den Rezensentinnen nicht deutlich, warum der Klappentext u.a. ,Pragmatik sowie individuelle und soziale Aspekte des Sprachgebrauchs" als Hauptteile des Buches deklariert, da dem ersteren Bereich lediglich die Kapitel `Primärer Spracherwerb' und `Schriftspracherwerb' zugerechnet werden können, nicht aber die Abschnitte, die den eigentlichen Schwerpunkt des Buches bilden. Wenn in der Konzeption des Einführungsbuches an den psycholinguistisch orientierten Kapiteln festgehalten werden soll, so wäre es konsequent, auch weitere Gebiete, die in andere Wissenschaften hineinreichen - wie Soziolinguistik, Neurolinguistik, Computerlinguistik, Textlinguistik, den gesamten Bereich der Psycholinguistik etc. - vorzustellen.

Trotz allem aber ist das Buch empfehlenswert, denn es verschafft einen guten Gesamtüberblick und liefert viele Informationen, die dazu einladen, das Buch zu einem späteren Zeitpunkt des Studiums wieder in die Hand zu nehmen und neue Details zu entdecken. Durch das Register kann es auch als Nachschlagewerk dienen, das die Studentin bzw. den Studenten das ganze Studium über begleitet.

Rezensiert von Susanne Feld; Alexandra Heising.

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