Ist ein Master in Germanistik sinnvoll?

Ein Erfahrungsbericht zum Studiengang „Sprache und Kultur“

Lisa-Marie George (Foto: Deekeling Arndt/AMO)

Aufgeregt stehen wir vor den Türen eines ORF-Fernsehstudios. Als diese sich öffnen, strömen wir mit der wuseligen Menge der Zuschauer in den hell erleuchteten Raum. Es wird mucksmäuschenstill, als der Moderator die erste Lesung ankündigt. Und zehn Germanistikstudentinnen sind mittendrin – live bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.

Was das nun mit meinem Erfahrungsbericht über mein Masterstudium zu tun hat? Es sind genau solche besonderen Erlebnisse und die Erinnerungen daran, die zentral für mein Studium und meinen späteren Werdegang sind.

Alles auf Anfang

Aber erst einmal von vorn: 2012 kam ich an die Universität Duisburg-Essen, um hier einen Doppelmaster zu belegen – in den Fächern „Sprache und Kultur“ (SuK) sowie „Literatur und Medienpraxis“ (LuM). Ansonsten hatte ich vor meinem Master keinerlei Verbindung zum Ruhrgebiet und ließ mich einfach auf das Abenteuer eines mir vollkommen unbekannten Ortes ein.

Zuvor hatte ich meinen Bachelor in Germanistik an der Philipps-Universität Marburg absolviert. Im Master wollte ich gerne mein Wissen aus dem Bachelorstudium weiter ausbauen. Gleichzeitig sprach mich der Aufbau des Studiengangs an der Uni Duisburg-Essen an: Hier konnte ich einen Doppelmaster mit zwei Hauptfächern belegen. In SuK bestand außerdem die Möglichkeit, von Anfang an einen Schwerpunkt zu setzen – in Literatur und Kultur, Linguistik, DaZ/DaF oder Mediävistik.

Masterstudium – Warum?

Bereits vor Studienbeginn in Essen war mir klar, dass der Masterstudiengang zeit- und lernintensiver sein würde als der Bachelor. Mir ging es im Master vor allem um Spezialisierung. Ich belegte Seminare zu Gegenwartsliteratur – bereits im Bachelor hatte ich mich sehr für Literaturkritik und zeitgenössische Autoren interessiert.

In Essen begegnete ich Dozentinnen und Dozenten, die nicht nur spannende Seminarthemen anboten (und dies sicherlich immer noch tun), sondern auch germanistische Inhalte buchstäblich mit meiner Lebenswirklichkeit verbanden. Durch eine Kooperation zwischen meiner alten Uni in Marburg und der Uni Duisburg-Essen konnte ich auch hier im Rahmen des Studiums für das Onlineportal literaturkritik.de schreiben. Außerdem besuchten wir in einem Seminar das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen. Und an dieser Stelle komme ich zum Anfang zurück: Drei Mal nahm ich an einer Exkursion nach Klagenfurt zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur teil – allgemein als Bachmannpreis bekannt. Hierüber schrieb ich später auch meine Masterarbeit. Speziell diese Seminare, die mir die Verbindung zwischen Literatur und Realität praktisch und anschaulich vermittelten, waren für mich sehr wichtig. An diese für mich besonderen Erlebnisse denke ich gerne zurück. Die Dozenten haben es geschafft, mich in meinen Interessen und in meinem beruflichen Weg zu bestärken.

Ein Campus, der verbindet

Neben dem Studium arbeitete ich für meine Dozentin als wissenschaftliche Hilfskraft. Ich organisierte Leseabende, Kolloquien, Seminare und unterstützte meine Chefin bei Publikationen. Mein Alltag fand meist von morgens bis abends auf dem Campus statt – bald fühlte ich mich hier auf eine Art und Weise zuhause (auch wenn einige Gebäude damals eher Baustelle als schicker Unikomplex waren). Von Marburg war ich eine dezentrale Universität gewohnt – die Lehrgebäude sind dort über die Stadt verteilt. In Essen hingegen lernte ich einen zentralen Campus als Lernort kennen, auf dem Studierende aller Fachrichtungen zusammentreffen. Man aß gemeinsam zu Mittag in der Mensa, traf sich mit Freunden auf ein Stück Kuchen in den verschiedenen Cafés auf dem Gelände oder zog sich zum Lernen in die zentrale Bibliothek zurück. An all diese Orte erinnere ich mich genau, dort habe ich gerne meine Stunden verbracht. Ich habe an jenen Orten tolle Menschen kennengelernt, spannende Projekte realisiert und viele Freunde gefunden, zu denen ich heute immer noch Kontakt halte.

Und nach dem Masterstudium? – Ein neues Kapitel

Nachdem ich meinen Master in Essen Anfang 2015 erfolgreich beendet hatte, erholte ich mich von der intensiven Schreibphase, recherchierte verschiedene Jobmöglichkeiten und schrieb einige Bewerbungen. Unverhofft bekam ich die Möglichkeit zu einem Bewerbungsgespräch bei Deekeling Arndt/AMO, einer Agentur für Unternehmenskommunikation in Düsseldorf. Dort arbeite ich inzwischen seit über drei Jahren – zunächst als Trainee, anschließend als Junior Consultant und mittlerweile als Consultant.

Wir beraten Unternehmen in allen kommunikativen Fragen, entwickeln Konzepte und Präsentationen, organisieren Events, schreiben aber zum Beispiel auch Geschäftsberichte und vieles mehr. Kommunikationsberatung wird in dem Unternehmen, in dem ich arbeite, strategisch verstanden. Alles ist genau durchdacht – ähnlich wie Unternehmensberater helfen wir Firmen, bloß eben auf einer kommunikativen Ebene. Wir formulieren Strategien, entwickeln langfristige Planungen, setzen Projekte auf und haben durch unterschiedliche Kunden immer wieder andere Themen auf dem Tisch. Sprache ist dabei unser wichtigstes Instrument. Und für diese Anforderungen fühle ich mich durch mein Studium sozusagen prädestiniert.

Zu meinen täglichen Aufgaben im Job gehört zum Beispiel auch, Pressemitteilungen, Reden, Briefe, E-Mails und andere Textsorten zu schreiben. Daneben redigiere ich Texte meiner Kollegen oder Kunden. In unserem Unternehmen herrscht ein hoher Qualitätsanspruch, dazu gehören auch fehlerfreie und ansprechende Texte. Da hilft mir tatsächlich vieles von dem, was ich im Studium gelernt habe: von Stilmitteln, korrekter Rechtschreibung und Grammatik bis hin zur Textanalyse (ich könnte noch viel mehr aufzählen).

Was wäre der Mensch ohne Kommunikation, ohne Sprache? Im Studium haben wir die deutsche Sprache genau untersucht, Sätze auseinandergenommen, Inhalte interpretiert, Gesprächssituationen analysiert. Die Auseinandersetzung mit gesprochenem und geschriebenem Wort ist für mich durch das Studium noch einmal besonders wichtig geworden und macht mir heute umso mehr Spaß. Ich möchte beruflich nichts anderes machen.

Abschließende Gedanken

Für mich hat es sich gelohnt, nach dem Bachelor einen Masterstudiengang abzuschließen. Ich konnte mich im Master aus meiner Sicht sowohl fachlich als auch menschlich weiterentwickeln. Ebenso hat mich die Erfahrung, weit weg von Zuhause zu sein und eine neue Region kennenzulernen, sehr geprägt.

Ich würde mich immer wieder für den Studiengang entscheiden. Dennoch hoffe ich, dass er sich künftig noch stärker mit der Verbindung von Sprache und digitalen Themen beschäftigen wird und nicht den Anschluss an neue Entwicklungen verpasst. Denn diese werden immer schnelllebiger, während die Germanistik zu Recht die Verbindung von Herkunft, Gegenwart und Zukunft der deutschen Sprache und Literatur erforscht, hinterfragt und entwickelt.