'Ten Years After': Cognitive Linguistics: Second Language Acquisition, Language Pedagogy, and Linguistic Theory

Schmitz, Ulrich (2000)

 

28th LAUD SYMPOSIUM
University of Koblenz-Landau in Landau (Germany)
27-30 March 2000

Auf Einladung von Martin Pütz (Landau) wurde das Parkhotel Landau für vier Tage zum Zentrum der internationalen kognitiven Linguistik. Zehn Jahre zuvor, beim 18. LAUD-Symposium in Duisburg 1990 unter der Ägide von René Dirven, hatte sich die kognitive Linguistik, so Ron Langacker damals, als selbstbewußte interdisziplinäre Bewegung überhaupt erst formiert. Jetzt wurde eine Bilanz der ersten zehn Jahre gezogen und über praktische Folgen für die Erst- und Zweitspracherwerbsforschung und Sprachdidaktik nachgedacht.

76 Teilnehmer aus 23 Ländern in fünf Erdteilen (von Nowosibirsk über Barcelona bis Los Angeles und von Belo Horizonte über Yaounde bis Osaka) diskutierten über

  • kognitive Aspekte in Sprache und Linguistik
  • linguistische Kategorien und kognitive Modelle
  • -Beziehungen zwischen Sprache, Kultur, Kognition und Lernen
  • konzeptuelle Grundlagen und begriffliche Stützen beim Erst- und Zweitspracherwerb
  • sprachdidaktische Implikationen der kognitiven Linguistik.

Von den zehn Plenar- und knapp fünfzig Arbeitsgruppen-Vorträgen können hier stellvertretend für das thematische Spektrum nur einige wenige erwähnt werden.

  • John Gumperz (Berkeley), der bei der Anreise mit der Deutschen Bahn einen schweren Unfall erlitten hatte, erläuterte, wie "Common Ground" (also gemeinsam geteilte Überzeugungen, Erfahrungen und in der aktuellen Situation relevantes Hintergrundwissen) Alltagskommunikation und gegenseitiges Verständnis trägt und beeinflußt.
  • Am Beispiel einer nicht verschrifteten aussterbenden Indianersprache zeichnete Wallace Chafe (Santa Barbara) nach, wie Sprecher zur Kategorisierung und Versprachlichung von Konzepten kommen und was sie über Sprache wissen.
  • Paul Hopper (Carnegie Mellon) arbeitete Zusammenhänge zwischen Diskursbedingungen und grammatischen Konstruktionen heraus und untersuchte, ob letztere mehr als Prototypen oder mehr durch Familienähnlichkeiten präsent sind.
  • Sydney Lamb (Rice, Houston) verfocht die These, Grammatiklernen sei Lexikonlernen: jedes Lexem habe seine eigene Syntax.
  • Cliff Goddard (Armidale) erörterte die Entwicklung semantischer Primitive im frühkindlichen Spracherwerb.
  • Chris Sinha (Aarhus) verglich die kognitiven Prozesse, die sich beim Erst- und beim Zweitspracherwerb abspielen: "Believe me, it’s even difficult for children."
  • Auf der Grundlage praktischer Erfahrungen und eines neuen, kognitiv orientierten idiomatischen Lexikons legte Zoltán Kövecses (Budapest) dar, wie (inter- und intra-)kulturelle Variation im Metapherngebrauch für das Lehren idiomatischer Wendungen im Fremdsprachenunterricht systematisch fruchtbar gemacht werden kann.
  • Ronald Langacker (San Diego) zeigte am Beispiel des englischen Present Tense, wie Sichtweisen und Ergebnisse der kognitiven Linguistik den Sprachunterricht sachgerechter und für Schüler nachvollziehbarer gestalten können.

Die meisten Vorträge waren von einer gemeinsamen Überzeugung getragen, die im Detail allerdings sehr differenziert und teilweise kontrovers diskutiert wurde. In weiten Teilen der Wissenschaft nämlich herrschten immer noch objektivistische Modelle von Sprache vor, die zentrale Aspekte menschlicher Kommunikation mit zum Teil fatalen Konsequenzen ausblendeten. Solche Auffassungen zögen sowohl in grundlegenden Fragen als auch in vielfältigen Einzelaspekten teilweise fatale Konsequenzen nach sich. Deshalb seien sie durch kognitiv orientierte Auffassungen entweder zu ersetzen oder aber umzuwandeln und zu erweitern. Dabei schließlich seien sämtliche Prozesse zu berücksichtigen, die in der einzelnen Sprechsituation eine Rolle spielen.

In alter LAUD-Tradition fand auch das diesjährige, perfekt organisierte Symposium in ungewöhnlich entspannter, lebendiger, kreativer und ansteckender Atmosphäre statt. Allein die Tatsache, daß ein paar Dutzend unterschiedlichster Geister mehrere Tage lang im selben Hause wohnen, essen, arbeiten und miteinander sprechen konnten, sorgte auch in Landau wieder für die fast schon legendäre Umgebung der LAUD-Symposien, die auch in früheren Jahren bei anderen Themen die meisten Teilnehmer begeistert hat. Eine sehr regionalspezifisch moderierte wine tasting party mit sechs weißen und sechs roten Pfälzer Weinen wird allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben.

Aus dem Symposium werden 2001 oder 2002 zwei englischsprachige Tagungsbände hervorgehen, die Susanne Niemeier (Bremen) und Martin Pütz (Landau) herausgeben. Schon jetzt sind ein Band mit den Abstracts aller Vorträge sowie eine Reihe von Einzelvorträgen des Symposiums als gedruckte prepublications in der Reihe der LAUD papers erhältlich; weitere erscheinen im Laufe des Jahres 2000.

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