Aspekte und Aktionsarten als Möglichkeiten zur Unterstützung des temporalen Ausdrucks in der Sprache

Glavina-Ivanus, Sanja (1997)

 

Inhalt / Abstract:

1. Einführung und begriffliche Präzisierung
2. Existenz von Zeitbedingungen in der Sprache: philosophische und  Sprachwissenschaftliche Aspekte, Traditionsbezüge, Zeittheorien
3. Sytematische Darstellung von Aktionsarten und Aspekten
4. Zentrale philosophisch geprägte Ansätze zur Entstehung und  Berücksichtigung temporaler Strukturen in der Sprache
5. Ausgewählte systemtheoretische Ansätze zur Entwicklung von Zeitbedingungen in der Sprachwissenschaft
6. Systematische Darstellung von Aktionsarten und Aspekten
7. Aktionsarten: lexikalisch-semantische Erscheinungsformen
8. Aspekte: grammatische Erscheinungsformen
9. Anwendung der Aspekte im Tempussystem der kroatischen Sprache
10. Literaturverzeichnis
Endnoten

1 Einführung und begriffliche Präzisierung

Die vorliegende Arbeit behandelt das Thema Aspekte und Aktionsarten als Möglichkeiten zur Unterstützung des temporalen Ausdrucks in der Sprache - dargestellt am Beispiel slawischer Sprachen". Nach der Präzisierung einiger zentraler Begriffe wird zunächst die Existenz von Zeitbedingungen in Sprachen unter philosophischen und sprachwissenschaftlichen Perspektiven erörtert. Im Anschluß daran erfolgt eine systematische Darstellung von Aktionsarten und Aspekten. Dabei sollen insbesondere semantische und grammatische Kennzeichnungen aufgezeigt werden. Abschließend wird eine konkrete Anwendung der Aspekte im Tempussystem der kroatischen Sprache vorgenommen.

Die grundsätzlichen Formkategorien ,Aspekt' und ,Aktionsart' sind in neuerer Zeit verstärkt Gegenstand der sprachwissenschaftlichen Forschung. Im Vordergrund dieser Forschungsaktivitäten stehen zum einen die Analyse der interdependenten Beziehungen von Aspekt und Aktionsart zu lexikalischen, grammatischen und syntaktischen Formkategorien und zum anderen die Semantik und Syntax temporaler Verweismittel. 1,2 Verschiedene Autoren der einschlägigen (aktuellen) Literatur versuchen, auch in Sprachen, die keine durchgängig grammatikalisierten Aspektoppositionen aufweisen - wie es z. B. in der deutschen Sprache der Fall ist - das Zusammenwirken der Kategorien ,Aspekt', ,Aktionsart', ,Tempus' u. a. transparent zu machen.3

Der Begriff ,Aspekt' wird je nach Benennungstradition inhaltlich unterschiedlich verwendet. Während einige Sprachwissenschaftler z. B. den Terminus ,Aspekt' ausschließlich als grammatische Formkategorie interpretieren, sehen andere darin auch eine konzeptuelle Kategorie.

In Abgrenzung zum Begriff ,Aspekt' und zur Hervorhebung der konzeptuellen Kategorie4 wird der Terminus ,Aspektualität', der in Anlehnung an BONDARKO für den Bereich der (atemporalen) Vorgangsqualifizierung 5 und -quantifizierung benutzt wird, eingeführt. Der Begriff ,Aspektualität' umfaßt für möglichst viele Sprachen Ausdrucksmöglichkeiten im Bereich der Vorgangsquantifizierung und -qualifizierung von Sachverhaltsbeschreibungen. 6

Aspektualität drückt sich in slawischen Sprachen in den Verbkategorien ,Aspekt' und ,Aktionsart' aus.7 Diese beiden Kategorien stellen Perspektiven dar, mit deren Hilfe inhärente temporale Eigenschaften von Ereignissen /Sachverhaltsbeschreibungen (z. B. zeitlich punktuell, dauerhaft) sprachlich ausgedrückt werden können. Dabei stellt die Aktionsart die lexikalisch -semantische und der Aspekt die grammatisch-funktionelle Perspektive dar. 8

Während die Ereignisse/Sachverhaltsbeschreibungen unter der Perspektive des Aspektes - d.h. perfektiv oder imperfektiv - jeweils im selben Blickfeld liegend aufgefaßt werden, d.h. keine temporalen Beziehungen zu den Ereignissen/Sachverhaltsbeschreibungen ausgedrückt werden, befinden sich bei einer Tempuskonzeption zeitlich getrennte Ereignisse /Sachverhaltsbeschreibungen niemals im selben Blickfeld. 9

Die sprachliche Kategorie ,Aspekt' (wörtlich Betrachtungsweise", Draufsicht") konzentriert sich in ihrer grammatikalisiertesten Form auf die Oppositionen ,imperfektiv' versus ,perfektiv'. 10

Der Begriff ,Tempus' (Pl. Tempora) wird traditionell und größtenteils in der neueren Grammatik für Verbformen und Verbalkomplexe, die zeitliche Bedeutungen implizieren, verwendet.11 Die Aufgabe der Kategorie ,Tempus' besteht darin, ein verbales Geschehen auf einer Zeitachse bezüglich eines bestimmten Zeitpunktes zu lokalisieren.12 Das Tempus bildet in diesem Zusammenhang den Kern der semantisch-funktionellen Kategorie ,Temporalität'.13

2. Existenz von Zeitbedingungen in der Sprache: philosophische und sprachwissenschaftliche Aspekte, Traditionsbezüge, Zeittheorien

Dieser Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Zeitbedingungen allgemein in Sprachen darstellen lassen. Ausgangspunkt für diese Fragestellung ist die Beobachtung der unterschiedlichen Ausprägungen des ,Zeitausdruckes' in den Sprachen der Welt (z. B. der Aspekt in slawischen Sprachen).

2.1 Zentrale philosophisch geprägte Ansätze zur Entstehung und Berücksichtigung temporaler Strukturen in der Sprache

Über die ,Zeit', die in Sprachen unterschiedlich grammatikalisiert ist, haben sich Philosophen aller Epochen ihre Gedanken gemacht. Ausgehend von dem grundlegenden Gedanken Erat tempus, quando non erat homo" 14, der bis heute Gültigkeit hat, weil er bislang nicht widerlegt werden konnte, stellt sich für die Verfasserin zwangsläufig die Frage, inwieweit sich gesellschaftliches Denken auf Tempusstrukturen in Sprachen auswirkt. 15 Diese interessante Fragestellung kann jedoch im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht verfolgt werden, weil aussagekräftige Untersuchungsergebnisse nicht zur Verfügung stehen.

Die Überlegungen der Philosophen über den Begriff ,Zeit' orientieren sich hauptsächlich an der Frage nach der Natur und den Eigenschaften dieses Phänomens. Zeitliche Informationen, die sich in der Sprache manifestieren, werden sowohl von Linguisten als auch von Sprachphilosophen untersucht. Von Interesse sind hier beispielsweise Sätze, die temporal indefinit sind, wie z. B. It rains in London". Der Wahrheitswert eines solchen Satzes hängt ausschließlich von einem temporalen Index ab. Die sprachlich orientierte Forschung der temporalen Logik16 ist der Zweig der Linguistik, welcher sich mit dieser Problematik auseinandersetzt. Die Logik der Zeitformen ist zum großen Teil aus diesem Zweig hervorgegangen. 17

Im weiteren sollen die in diesem Zusammenhang prägenden Ansätze, welche die Entstehung und Berücksichtigung temporaler Strukturen in der Sprache implizieren, anhand ausgewählter philosophischer Richtungen kurz skizziert werden:

(1) Abstrakte Vorstellungen über die ,Zeit'

Die Grundlage für ,Zeit' ist bei ARISTOTELES die Bewegung bzw. die Veränderung. Er definiert Zeit als Maß bzw. Quantum der kontinuierlichen Veränderung gemäß dem ,Davor' (Früher) und dem ,Danach' (Später). ,Zeit' ist kontinuierlich, homogen und durativ. Mit dieser Definition treten bereits temporale Bestimmungen bezüglich dem Früher und dem Später zu Tage. Das ,Jetzt' ist kein Element der Zeit, sondern wird als ,dauerloser' Zeitpunkt verstanden, der die Zeitabschnitte ,Vergangenes' und ,Zukünftiges' voneinander trennt und sie erst beschreibbar macht. Mit dem ,Jetzt' werden Anfang und Ende einer Zeit bestimmt. Der Begriff ,Zeit' ist bei ARISTOTELES eng verbunden mit der Vergänglichkeit und drückt das Gegenteil von Ewigkeit aus.18

In diesem Zusammenhang wird ,Zeit' als beständige Form der Anschauung ihres Fließens begriffen. Sie ist das Worin" des Nacheinander der Dinge. Zeit darf nur die eine Dimension des Nacheinander haben, weil sonst die Dinge nicht als Erscheinungen durchgängig bestimmbar wären. Nach ARISTOTELES sind wir und die Dinge (Sachverhalte) in der ZEIT.

Zeit ist in diesem Sinne eine ORDNUNG DES NACHEINANDERS in den drei Dimensionen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

(2) Subjektiv konkrete Vorstellungen über die ,Zeit'

Den abstrakten Vorstellungen über die Zeit stehen zum erstenmal mit AUGUSTINUS subjektiv konkrete Vorstellungen gegenüber. 19 Während viele Philosophen das Vergangene und das Zukünftige lediglich abstrakt betrachten, verlagert AUGUSTINUS diese Begriffe in das menschliche Bewußtsein. Nach seinem Verständnis existieren das Vergangene und das Zukünftige nur, wenn sie sich im Bewußtsein des Menschen befinden. Somit sind vergangene Ereignisse gegenwärtig im Gedächtnis, gegenwärtige Dinge erscheinen in der Wahrnehmung und zukünftige Erlebnisse kommen in der Erwartung zum Ausdruck.20

Mit KANT bekommt der Zeitbegriff eine transzendentale 21 Bedeutung. Zeit ist eine subjektive Form des inneren Sinnes und in bezug auf die Erscheinungswelt deren formale ,a priori' Bedingung. Zeit ist eine ,a priori' Notwendigkeit, Teil eines Rahmens für unsere perzeptorische Erfahrung. Sie ist eindimensional verschiedene Zeiten sind nicht simultan, sondern sukzessiv."22 ... seit Kant ist die Zeit in uns " (Hervorh. d. d. Verf.).23

2.2 Ausgewählte systemtheoretische Ansätze zur Entwicklung von Zeitbedingungen in der Sprachwissenschaft

Die philosophische Diskussion über die Entität ,Zeit' hat in der Linguistik dazu beigetragen, (1) daß sich eine temporale Logik nach den Methoden der formalen Logik entwickelt hat und (2) daß nun die Frage nach der Bedeutung der sprachlich realisierten Zeitstufen gestellt wird. Das zeigen die Ansätze der im folgenden vorgestellten Sprachwissenschaftler, die versuchen, die Tempora auf einer Zeitachse zu lokalisieren und für die Anwendung transparent zu machen.

In diesem Sinne beschreibt MADVIG (1843) in der von ihm entwickelten Lateinischen Grammatik eine Tempus-Systematik. Er stellt neun Tempora 24 auf, die als temporale Relationen verstanden werden und die die Lage von Sachverhalten in bezug auf das System ,jetzt-Punkt'/'Referenz-Punkt' beschreiben".25

MADVIG hat im Vergleich zu bisherigen Entwicklungen zwei zusätzliche Tempora in seine Tempus-Systematik aufgenommen, die als Darstellung des ,perfektiven' und ,imperfektiven' Aspektes interpretiert werden können. Dies stellt den ersten Ansatz für eine Interpretation des aspektuellen Inhalts (der Tempora) dar.26 Es muß allerdings festgehalten werden, daß die zwei zusätzlichen Relationen von MADVIG nicht nur durch Tempora allein ausgedrückt werden können, sondern ebenso mit Hilfe anderer sprachlicher Mittel - wie z. B. aspektuelle Informationen am Verb.

Eine für die Linguistk bedeutende Weiterführung auf dieser Grundlage stellt REICHENBACHs (1947) Systematik der Lokalisierung der Tempora auf der Zeitachse dar.27 REICHENBACH versucht, alle Tempora anhand der in der englischen Sprache ausgedrückten Informationen über die Zeitstufen in einer drei-Punkte-Struktur (Sprechzeitpunkt [=S], Bezugszeitpunkt [=R], Ereigniszeitpunkt [=E]) systematisch auf der Zeitachse zu lokalisieren.

 Abb. 1: Tempusrepräsentationen nach REICHENBACH 28

Es kann anhand der kurz skizzierten Forschungsentwicklung festgehalten werden, daß für die Analyse temporaler Strukturen die Zeitachse eine Untersuchung von temporalisierten Verbformen und deren Sachverhalt im Hinblick auf ihre Zeitbeziehung nicht hinreichend erlaubt. Die von DORFMÜLLER-KARPUSA (1983) vorgenommene Pilot-Studie kommt zu dem Ergebnis, daß es für eine einschlägige Analyse der temporalen Manifestationen in Sprachen notwendig ist, die Natur der beschriebenen Sachverhalte (Verben) zu untersuchen. Hierbei wird versucht, Ereignisse in ihrem Zeitcode29 beschreibbar zu machen. Daraus ergibt sich in der sprachwissenschaftlichen Forschung eine Klassifikation der durch Verben beschriebenen Sachverhalte.30

Die Informationen, die Sachverhaltsbeschreibungen vermitteln, können in zwei Klassen eingeteilt werden:

(1) nach der Verbklasse in eine Aktionsart als lexikalische Kategorie,

(2) nach der Verbform in einen Aspekt als grammatische Kategorie.

Im folgenden werden einige ausgewählte Ansätze beschrieben, welche die Aktionsarten - ausgehend von ihrem traditionellen Verständnis - in formale Theorien der Zeitkonstitution31 überführen. 32

RYLE (1949)33 unterscheidet in einem allgemein gehaltenen Konzept Sachverhalte, die Eigenschaften bzw. Fähigkeiten (dispositions) ausdrücken, von denen, die Ereignisse (occurrences) ausdrücken. 34 Ausgehend von dieser allgemeinen Klassifizierung von Sachverhaltsbeschreibungen differenziert er bei Ereignissen weiter zwischen ,activities' und ,achievements'. Dabei kommt er bei ,achievements' zu einer Subklassifizierung in (a) ,achievements without an associated activity' und (b) ,achievements with an associated activity'.35

Im Vergleich zu RYLE schlägt VENDLER (1957, 1967) 36 eine detailliertere Klassifizierung von Sachverhaltsbeschreibungen vor. Er unterscheidet zwischen (a) ,accomplishments', (b) ,achievements', (c) ,activities' und (d) ,states'.37 VENDLER zeigt am Beispiel des Verbes ,see', daß diese Sachverhaltsbeschreibung nicht eindeutig einer Klasse zuzuordnen ist. Nach RYLE ist das Verb ,see' ein ,achievement' aber es kann auch als ,state' interpretiert werden und in besonderen Fälle auch als ,accomplishment' dienen. VENDLER hält es deshalb für notwendig, konkrete Situationen zu analysieren.38

Auf der Grundlage der vier Kategorien von VENDLER nimmt DOWTY (1972 und 1978)39 eine syntaktische und semantische Unterklassifizierung für jede der VENDLERschen Kategorien vor. Er formuliert syntaktische Kriterien, nach denen Verbklassen unterschieden werden können. Er kommt in seiner Analyse zu dem Ergebnis, daß der Ansatz von VENDLER, grundsätzlich Verben eindeutig einer Klasse zuzuordnen, nicht immer gelingen kann. Daraus zieht er die Schlußfolgerung, daß an die Stelle der Klassifizierung lexikalischer Verben eine Kategorisierung von Verbalphrasen treten müsse. 40

3. Systematische Darstellung von Aktionsarten und Aspekten

3.1 Aktionsarten: lexikalisch-semantische Erscheinungsformen

Aktionsarten betreffen die interne temporale Struktur von Situationen. Sie charakterisieren ein Geschehen z. B. als zeitlich ausgedehnt oder nicht ausgedehnt, als zielgerichtet oder nicht zielgerichtet usw."41 Die Situation ist punktuell oder durativ sie ist telisch oder atelisch sie ist statisch oder dynamisch es handelt sich um das Einsetzen eines Zustandes oder das Ende einer Situation.

Die Aktionsart wird begrifflich zur semantischen Kennzeichnung bestimmter derivationsmorphologischer Prozesse am Verb verwendet. Zur Unterscheidung von Aktionsarten dient der Begriff ,Zeitkonstitution', wobei zwei Tyen unterschieden werden: die telische und die atelische Zeitkonstitution. Verben, Verbalphrasen und Sätze werden einem der beiden Zeitkonstitutionstypen zugeordnet. Telische Verben (z. B. einschlafen, ein Glas Bier trinken, ein Buch schreiben) bezeichnen Situationen, die einen Abschluß besitzen atelische Verben (z. B. schlafen, Bier trinken, Bücher schreiben) kennzeichnen Situationen ohne Abschluß.

Auch das Deutsche und z.B. das Tschechische weisen eine Reihe von Aktionsarten in diesem Sinne auf, z. B.: (a) die ingressive Aktionsart, die den Beginn der Verbhandlung bezeichnet, z. B. dt. ,los-rennen' und tschechisch , zapalit' (=loslachen) (b) die egressive Aktionsart, die das Ende der Verbhandlung bezeichnet, z. B. aus-schlafen und tschechisch ,dolecit' (= ausheilen) (c) die deliminative Aktionsart, die eine zeitlich begrenzte Verbhandlung bezeichnet, z. B. dt. lachen - lächeln und tschechisch ,pohovor it si' (= sich etwas unterhalten) (d) die iterative Aktionsart, die eine wiederholte oder habituelle Verbhandlung ausdrückt, z. B. dt. er redete und redete und tschechisch ,hravat'(= zu spielen pflegen).42

Im folgenden soll die von SCHWALL auf der Basis der Klassifikationen von ISACENKO und AVILOVA vorgeschlagene neuere Systematik der Aktionsarten in abgeänderter Form vorgestellt werden. 43

A k t i o n s a r t e n |C h a r a k t e r i s i e r u n g B e i s p i e l
I. Aktionsarten mit Phasenbedeutung Bestimmter Zeitabschnitt der Handlung, z. B. Anfang, Dauer, Ende der Handlung
(1) Inzeptive Aktionsart Anfangspunkt einer Handlung zakricat' = aufschreien
(2) Evolutive Aktionsart Anfangsphase mit anwachsender Intensität razbegat'sja = ins Laufen kommen
(3) Transkursive Aktionsart Betrachtung der Handlung im mittleren Bereich des Handlungsablaufes; zeitlich begrenzter Abschnitt der Handlung
(3.1) Delimitative Aktionsart Ausdruck eines relativ kurzen Zeitabschnitts der Handlung: etwas nicht lange tun poguljat' = eine Weile spazieren gehen
(3.2) Perdurative Aktionsart Ausdruck eines relativ langen Zeitabschnitts der Handlung: etwas relativ lange tun unterhalten progovorit' = sich lange
(4) Finitive Aktionsart Beendigung und Abbruch der Handlung otobedat' = das Mittagessen beenden
II. Quantifizierende Bedeutung Modifizierung der Handlung hinsichtlich ihrer Intensität (Anwachsen, Abschwächung) und ihrer Quantität (einmalig, wiederholt)
(1) Semelfaktive Aktionsart Einmaligkeit der Handlung, die dadurch punktuell/momentan sein kann zevnut' = einmal gähnen
(2) Attentuative Aktionsart Abschwächung der Intensität der Handlung poprivyknut' = sich allmählich gewöhnen
III. Iterative Bedeutung Innere Gegliedertheit der Handlung
(1) Eigentlich-iterative Aktionsart Gewohnheitsmäßige Wiederholung der Handlung govarivat' = zu sagen pflegen
(2) Deminutiv-iterative Aktionsart Unregelmäßige, abgeschwächte Tätigkeit: ab und zu etwas tun pocityvat = ab und zu lesen
(3) Komitative Aktionsart Begleitende abgeschwächte Handlung prisetyvat' = dabei flüstern
(4) Mutuelle Aktionsart Gegenseitiger Meinungsaustausch zwischen zwei oder mehreren Subjekten pererugivat'sja = einander beschimpfen
(5) Kompliziert-intensive Aktionsart Kompliziert und mühevoll oder mit Kunstfertigkeit ausgeführte Handlung vydelyvat' = immer wieder umständlich ausführen
IV. Distributive Bedeutung Eine mehrere Objekte oder Subjekte betreffende Handlung
(1) Objekt-distributive Aktionsart Die Objekte werden nacheinander erfaßt pozapirat' = alle Türen nacheinander schließen
(2) Subjekt-distributive Aktionsart Die Handlung geht der Reihe nach von mehreren Subjekten aus povskadat' = nacheinander
V. Spezial resultative Bedeutung Erreichen eines Resultats erfolgreiches Zuendeführen einer Handlung
(1) Terminative Aktionsart Dauer + Ergebnis propet' = das Singen beendet haben
(2) Egressive/kompletive Aktionsart Endphase + resultative Vollendung doest'/doedat' = aufessen, das Essen beenden
(3) Itensiv-resultative Aktionsart Intensive und erschöpfende Ausführung der Handlung iz'ezdit' Franciju = ganz Frankreich abklappern
(4) Kumulative Aktionsart |Erreichen eines bestimmten Maßes, einer bestimmten Mengenangabe naobescat = (eine Menge Dinge) versprechen

  Abb. 2: Neuere Systematik der Aktionsarten

3.2 Aspekte: grammatische Erscheinungsformen

Aspekte betreffen die Perspektiven, unter denen eine Situation in bezug auf die Zeit präsentiert wird, ob mit expliziter Referenz auf ihren zeitlichen Ablauf oder als zeitlich unanalysiertes Ganzes." 44

Es werden prinzipiell zwei Arten unterschieden: der perfektive und der imperfektive Aspekt. Zur Kennzeichnung von perfektivem und imperfektivem Aspekt kann das Kriterium der Kombinierbarkeit mit Zeitdauerangaben (Durativadverbialen) herangezogen werden. Während imperfektive Aussagen mit Durativadverbialen zusammenpassen (z. B. eine Stunde lang, minutenlang), tun dies perfektive Aussagen nicht. Im Deutschen sind perfektiver und imperfektiver Aspekt nicht durchgängig grammatikalisiert.

Innerhalb der beiden Aspekte sind weitere Differenzierungen möglich, die in den verschiedenen Sprachen in unterschiedlichem Maß grammatisch, lexikalisch oder als kontextbedingte Interpretationsmöglichkeit realisiert werden können.45

Perfektive Sätze machen Aussagen über das Stattfinden von Ereignissen in einer bestimmten Zeitspanne. Die Situation wird als ein einzelnes Ganzes verstanden, wobei die verschiedenen Zeitphasen, aus denen sich die Situation zusammensetzt, nicht betrachtet werden. Dabei bestehen Ereignisse im Übergang von einem Zustand in einen anderen. So wird z. B. ein Zustand hervorgebracht (ein Zimmer betreten) oder beendet (ein Zimmer verlassen) etc. Die Funktion perfektiver Sätze besteht darin, die Situation als Ereignis darzustellen.

Imperfektive Sätze machen Aussagen über das Herrschen von Zuständen (krank sein, im Bett liegen) bzw. den Verlauf von Ausführungen einer Handlung, d.h. Prozessen (ein Buch lesen). Imperfektive Sätze drücken aus, was für eine bestimmte Zeit konstant der Fall ist oder was für eine bestimmte Zeit charakteristisch ist, z. B. regelmäßige Wiederkehr bestimmter Handlungen (husten) oder eine Gewohnheit (rauchen, i. S. von Raucher sein). Die Funktion imperfektiver Sätze besteht darin, die Situation als Zustand oder Prozeß darzustellen. 46

Die weiteren Ausführungen konzentrieren sich hauptsächlich auf eine ausgewählte Zeittheorie für Sprachen, die durchgrammatikalisierte Aspektualität aufweisen.

Für die Entwicklung der slawischen Aspektlehre wird hier vor allem ISACENKO (1962)47 kurz vorgestellt, dessen Anliegen es ist, den Verbalaspekt zu erklären (vgl. Abb. 3 und 4).

Aspekt heißt soviel wie ,Ansicht, Sicht'. Aus dieser bildlichen Bezeichnung (vgl. russ. vid) ergibt sich, daß man vermittels des Verbalaspekts einen bestimmten Prozeß oder ein verbal ausgedücktes Geschehen gleichsam von zwei verschiedenen Blickwarten ,ansehen', aus verschiedener Sicht betrachten und das Ergebnis dieser Betrachtung, eine ganz bestimmte Stilisierung des Prozesses, sprachlich ausdrücken kann." 48

Abb. 3: Der imperfektive Aspekt: Der Blickpunkt (x) des Sprechers liegt innerhalb des Geschehens49

Abb. 4: Der perfektive Aspekt: Der Blickpunkt (x) des Sprechers liegt außerhalb des Geschehens50

BONDARKO (1971)51 vertritt wie ISACENKO die Vorstellung, daß der perfektive Aspekt die Ganzheitlichkeit, die Totalität einer Verbhandlung ausdrückt. Im Gegensatz dazu läßt der imperfektive Aspekt dieses Merkmal unausgedrückt. Darüber hinaus lassen sich die allgemeinen Bedeutungen nach BONDARKO in besondere Aspektbedeutungen unterscheiden. 52

Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit den grammatischen Vorrichtungen/Instrumenten, welche die natürliche Sprache ausgebildet hat, um Aspektualität auszudrücken. Die Bedeutungen des ,Aspekts' in den slawischen Sprachen bestehen darin, daß ein Sachverhalt unabhängig vom Tempus und Modus durch zwei Verbformen unterschiedlich aspektuell markiert ist. In der Grammatik wird diese Unterscheidung durch Präfigierung oder Suffigierung geleistet.53

Es gibt in diesem Zusammenhang drei Ableitungsverfahren, die im weiteren näher erläutert werden:54

(1) Suffixwechsel

Bei diesem Verfahren ändert sich vor allem der Vokal eines Stammsuffixes dieser Wechsel hat gelegentlich weitere Veränderungen im Stamm zur Folge:

z. B. pruziti (perf.) - pruzati (impf.) ,reichen'

mit zusätzlichem Konsonantenwechsel:

vratiti (perf.) - vracati (impf.) ,zurückgeben'

mit Konsonantenwechsel und Stammvokaländerung:

sjecati (impf.) - sjetiti (perf.) ,erinnern'

radati (impf.) - roditi (perf.) ,gebären'

(2) Suffigierung

In vielen Fällen können aus perfektiven Verben durch Hinzufügen eines Suffixes imperfektive Verben gebildet werden: Beispiele:

i/iva: dobiti (perf.) - dobivati (impf.) ,bekommen'

i/ova: kupiti (perf.) - kupovati (impf.) ,kaufen'

a/ava: obecati (perf.) - obecavati (impf.) ,versprechen'

(3) Präfigierung

Bei diesem Verfahren wird einem imperfektiven Verb ein Präfix, das in der Regel eine Eigenbedeutung hat, vorangestellt und auf diese Weise das perfektive Verb gebildet. Es gilt also allgemein, daß imperfektive Verben durch Präfigierung perfektiv werden.

Beispiele:

citati (impf.) - procitati (perf.) ,durch/zu Ende-lesen'

gledati (impf.) - ugledati (perf.) ,schauen - erblicken'

Ausgenommen von diesen drei Verfahren sind die biaspektualen Verben und die suppletiven Aspektpaare .

(a) biaspektuale Verben:

Es handelt sich hier um nur wenige Verben, bei denen der Aspekt unmarkiert bleibt. Diese Verben haben bei gleicher Ausdrucksform sowohl perfektive als auch imperfektive Bedeutung, wie z. B. vidjeti ,sehen'.

Auf die Frage Sto vidis? ,Was siehst du?' können wir antworten: Vidim dijete, auto idt. ,Ich sehe ein Kind, ein Auto usw.' Aber auf die Frage Vidis li dijete? ,Siehst du ein Kind?' können wir antworten: Ne, kad ga vidim, reci cu ti. ,Nein, wenn ich es sehe, sag' ich es dir.' In diesem Satz können wir allerdings anstelle von vidim ,ich sehe' auch z. B. ugledam (perf.)' ich erblicke' verwenden.

(b) suppletive Aspektpaare:

Hierbei handelt es sich um Paare, die in ihrer Ausdrucksform verschienden, aber in ihrer Bedeutung gleich bzw. ähnlich sind. Dabei kann jedes Verb entweder nur eine imperfektive oder eine perfektive Bedeutung haben.

Beispiele:

govoriti (impf.) ,sprechen'

reci (perf.) ,sagen'

4 Anwendung der Aspekte im Tempussystem der kroatischen Sprache

In den meisten slawischen Sprachen, wie z. B. im Kroatischen, sind die Verben bis auf einige wenige Ausnahmen aspektual markiert, d.h. jedes Verb kann dem perfektiven oder dem imperfektiven Aspekt zugeordnet werden.55

Unter dem Begriff ,Tempus' werden in der kroatischen Grammatik die folgenden Indikativ-Zeitformen zusammengefaßt: Präsens, Imperfekt, Aorist, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I+II.56 Dieser Tempusbegriff ist allerdings nur bedingt angemessen, weil einige Tempora mit ,Zeit' nur mittelbar in Verbindung stehen.

(1) Präsens

Die Hauptbedeutung des Präsens ist ,real + unspezifiziert zeitlich festgelegt und verbindlich'. Daher kann das Präsens die verschiedensten Zeitstufen bezeichnen.

(1.1) Bezug auf Gegenwärtiges

Bezeichnet das Präsens z. B. Vorgänge, die den Sprechzeitpunkt einschließen, so kann es nur von imperfektiven Verben gebildet werden. Bsp.: Ivana pise zadatak. ,Ivana macht ihre Aufgabe.'

(1.2) Bezug auf Zukünftiges

Der Zukunftsbezug wird in der Regel mit impf. Verben , wie z. B. Slijedece godine kupujemo novi auto. ,Nächstes Jahr kaufen wir ein neues Auto.'

Seltener wird ein Zukunftsbezug mit perf. Verben ausgedrückt dann aber häufig in Verbindung mit einem Adverb, z. B. mit mozda ,vielleicht'.

Bsp.: Mozda se pronade i bolje rjesenje. ,Vielleicht findet sich auch noch eine bessere Lösung.'

(1.3) Bezug auf Allgemeingültiges

Äußerungen überzeitlichen Inhalts (z. B. Sprichwörter) können mit perf. Verben ausgedrückt werden. Bsp.: Voda sve opere do pogana jezika. ,Das Wasser wäscht alles sauber, außer einer schmutzigen Zunge.'

(1.4) Bezug auf Vergangenes (historisches Präsens)

Sowohl impf. wie auch perf. Verben können Vergangenes, das auf diese Weise vergegenwärtigt" wird, ausdrücken. Bsp.: Napoleon skuplja veliku vojsku i odlazi u Rusiju. ,Napoleon sammelt ein großes Heer und zieht nach Rußland.'

(2) Imperfekt

Das Imperfekt hat die Bedeutung vergangen + andauernd/wiederholt . Das Imperfekt kann nur von impf. Verben gebildet werden. Das Imperfekt kommt allerdings in der Umgangssprache und in der Sprache der Medien nicht mehr vor hier ist es vom Perfekt verdrängt. Am häufigsten kommt es noch (a) in der Literatursprache und (b) in Sprichwörtern vor.

Beispiele:

(a) Seljaku drmahu noge i lulica. ,Dem Bauern zitterten die Beine und das Pfeifchen.'

(b) Kad se sinovac zenjase, strica ne pitase, a kad se razenjase, i strinu pripitivase. ,Als sich der Neffe verheiratete, fragte er den Onkel nicht, als er sich aber scheiden ließ, fragte er die Tante.'

(3) Der Aorist

Der Aorist wird vorwiegend von perfektiven Verben gebildet. Der Aorist ist in der Umgangssprache und auch in den Medien genauso wie der Imperfekt vom Perfekt verdrängt. Der Aorist wird allerdings in der Literatur häufiger als das Imperfekt gebraucht und dient hier als Stilmittel. Die Hauptbedeutung des Aorist ist vergangen + momentan. Bsp.: Poceka neko vrijeme pa pokuca opet. ,Eine Zeit lang wartete er, dann klopfte er wieder.' Der Aorist hat aber auch mit Bezug auf Zukünftiges die Nebenbedeutung ,in nächster Zukunft stattfindend'. Bsp.: Umrijeh od zedi! ,Ich sterbe vor Durst'. Utopise se ako im odmah ne priskocimo u pomoc. ,Sie werden ertrinken, wenn wir ihnen nicht sofort zu Hilfe kommen.'

(4) Das Perfekt

Das Perfekt ist das Vergangenheitstempus schlechthin.

(4.1) Bezug auf Vergangenes

Die Hauptbedeutung ist ,vergangen'. In dieser Bedeutung kann es sowohl bei perfektiven wie auch bei imperfektiven Verben vorkommen.

Beispiel:

Vatra je, doduse, ostala iza nas, ali je pao mrak i ponovo je poceo padati pepeo, koji je bio gust i tezak. Mi smo s vremena na vrijeme ustajali i stresali pepeo. ,Das Feuer blieb weit hinter uns, aber es wurde dunkel, und die Asche, die dicht und schwer war, fing wieder an zu fallen. Von Zeit zu Zeit standen wir auf und schüttelten die Asche ab.'

(4.2) Bezug auf Gegenwärtiges

Das Perfekt hat hier die Bedeutung ,vergangen + für die Gegenwart wichtig /verbindlich'. In dieser Bedeutung wird das Perfekt in der Regel von perfektiven Verben gebildet. Bsp.: Preselio sam se u drugi grad. ,Ich bin in eine andere Stadt umgezogen.'

(4.3) Bezug auf Zukünftiges

Die unter 4.2 beschriebene Bedeutung gilt auch bei zukünftigen Sachverhalten, wenn sie im Geltungszeitraum (z. B. morgen) eines anderen Ereignisses bereits festgelegt oder abgeschlossen sind. Dabei kommt das Perfekt oft im Hauptsatz von Konditionalgefügen vor.

Bsp.: Ako ne dodes na ispit, propustio si i posljednju priliku. ,Wenn du nicht zur Prüfung kommst, hast du auch die letzte Gelegenheit versäumt.'

(5) Das Plusquamperfekt

Auch das Plusquamperfekt wird in der Umgangssprache meist vom Perfekt ersetzt. Es wird öfter von perf. Verben als von impf. Verben gebildet. Der Bedeutungsunterschied ist aber nicht wesentlich. Das Plusquamperfekt hat die Bedeutung (a) ,vergangen + abgeschlossen' oder (b) ,vorvergangen'.

Beispiele:

(a) mit perfektiven Verben: Odgovarao je tocno onako kako je bio naucio. ,Er antwortete genauso, wie er es gelernt hatte.'

(b) mit imperfektiven Verben: Ucinio je uparvo onako kako mu je majka uvijek bila savjetovala.' Er handelte genauso, wie es ihm die Mutter immer geraten hatte.'

(6) Das Futur I

Das Futur I kann von allen Verben gebildet werden.

(6.1) Bezug auf Zukünftiges

Die Hauptbedeutung ist ,zukünftig'. Bsp.: Ja necu otputovati dok se vi ne vratite. ,Ich werde nicht abreisen, solange ihr nicht zurück seid.'

(6.2) Bezug auf Vergangenes

Das Futur I kann auch Zukünftiges in bezug auf ein vergangenes Geschehen ausdrücken, wenn dieses vergangene Geschehen im Perfekt formuliert ist. Bsp.: Jer sam dobro ucila, dobit cu sigurno dobru ocjenu. ,Weil ich gut gelernt habe, werde ich sicherlich eine gute Note bekommen.'

(7) Futur II

Das Futur II wird gewöhnlich von imperfektiven Verben gebildet und kommt hauptsächlich in Nebensätzen vor. Hier drückt es aus, daß eine zukünftige Handlung vor einer anderen zukünftigen Handlung liegt. Bsp.: Ako bude rodila kcer, svi ce se radovati. ,Wenn sie eine Tochter zur Welt bringt, werden sich alle freuen.' Diese zeitliche Relation kann genauso gut durch das Präsens ausgedrückt werden. Eine wichtige Bedeutung des Futur II ist jedoch ,abgeschlossene, noch in die Zukunft hinein reichende Gegenwart'. Bsp.: Kada budes dosao, pomoci cu ti. ,Wenn du kommst, werde ich dir helfen.' Das Futur II kann allerdings in Temporalsätzen auch bei Gleichzeitigkeit und Nachzeitigkeit stehen. Bsp. für Gleichzeitigkeit: Kada budete vidjeli nase slike iz skolskih dana , sigurno cete se sjetiti i mene. ,Wenn ihr die Bilder aus unserer Schulzeit angeschaut haben werdet, werdet ihr euch bestimmt an mich erinnern.'

5 Literaturverzeichnis

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  • Baric, Eugenija (et al.): Grammatika hrvatskog knjizevnog jezika. Zagreb, 1990
  • Broschart, Jürgen: Raum und Grammatik oder: Wie berechenbar ist die Sprache? (Mit Beispielen zu Kasusmarkierung, Aspekt, Tempus und Modus). In: Müller-Bardey, Thomas/Drossard, Werner (Hrsg). Aspekte der Lokalisation: Beiträge zur Arbeitsgruppe Lokalisation" bei der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft in Bremen, 1992. Bochum, 1993
  • Dorfmüller-Karpusa, Käthi: Temporalität, Theorie und Allgemeinwissen in der Textinterpretation. Eine sprachübergreifende Analyse. Hamburg, 1983
  • Ehrich, Veronika/Vater, Heinz: Vorwort. In: Ehrich, Veronika/Vater, Heinz (Hrsg.): Temporalsemantik: Beiträge zur Linguistik der Zeitreferenz. Tübingen, 1988, S. VII -XV
  • Elser, Michael (Hrsg.): Enzyklopädie der Philosophie. Von der Antike bis zur Gegenwart. Denker und Philosophen, Begriffe und Probleme, Theorien und Schulen. Augsburg, 1992
  • Engel, Ulrich/Mrazovic, Pavica (Hrsg.): Kontrastive Grammatik deutsch-serbokroatisch. München, 1986
  • Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik. Heidelberg, 1988
  • Flasch, Kurt: Was ist Zeit? Augustinus von Hippo: Das XI. Buch der Confessiones. Historisch -philosophische Studie. Text, Übersetzung, Kommentar. Frankfurt a.M., 1993
  • Herweg, Michael: Zeitaspekte. Die Bedeutung von Tempus, Aspekt und temporalen Konjunktionen. Wiesbaden, 1990
  • Krifka, Manfred: Nominalreferenz und Zeitkonstitution. Zur Semantik von Massentermen, Pluraltermen und Aspektklassen. München, 1989
  • Löbner, Sebastian: Ansätze zu einer integralen semantischen Theorie von Tempus, Aspekt und Aktionsarten. In: Ehrich, Veronika/Vater, Heinz (Hrsg.): Temporalsemantik: Beiträge zur Linguistik der Zeitreferenz. Tübingen, 1988, S. 163-191
  • Mugler, Alfred: Tempus und Aspekt als Zeitbeziehungen. München, 1988
  • Schwall, Ulrike: Aspektualität: Eine semantisch-funktionelle Kategorie. Tübingen, 1991

6 Endnoten

  1. Vgl. EHRICH/VATER, 1988, S. VII ff. und ABRAHAM/JANSSEN, 1989, S. 7
  2. Hinsichtlich der Forschungsaktivitäten lassen sich insgesamt drei Forschungsstränge aufzeigen: (1) die Bedeutungsbestimmung von Aspekt und Aktionsart über systematische grammatische Formkategorien, (2) die Klassifikation der Begriffstypen von Ereignissen und Situationen sowie (3) die Zusammenstellung der Ausdrucksformen mit den semantischen Merkmalen von Aspekt und Aktionsart. Vgl. ABRAHAM/JANSSEN, 1989, S. 7
  3. Als Beispiele seien genannt: (1) die Beiträge der Arbeitsgruppe ,Tempussemantik' auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft vom 26.-28.2.1986, hrsg. von EHRICH/VATER, 1988, (2) ANDERSSON, 1989, 27 ff. und (3) LÖBNER, 1988, 163 ff.
  4. In der sprachwissenschaftlichen Literatur werden die folgenden Bezeichnungen als Synonyme für den Begriff konzeptuelle Kategorie" verwendet: (a) funktional-semantische(s) Kategorie/Feld und (b) onomasiologische Kategorie. Vgl. ANDERSSON, 1989, S. 29
  5. Vorgang' meint hier die allgemeine Bezeichnung eines verbalen Geschehens. Vgl. SCHWALL, 1991, S. 11
  6. Vgl. ebenda, S. 2 ff.
  7. Allerdings umfaßt die Kategorie ,Aspektualität' im Russischen z. B. neben den Realisierungsmöglichkeiten wie Verbalaspekt und Aktionsarten noch die Komponenten Verbalcharakter und -semantik, nicht-verbale lexikalische Mittel, satzsyntaktische Mittel und textlinguistische Mittel. Vgl. SCHWALL, 1991, S. 3
  8. Vgl. EHRICH/VATER, 1988, S. IX
  9. Vgl. BROSCHART, 1993, S. 30 ff.
  10. Vgl. BROSCHART, 1993, S. 30
  11. Vgl. ENGEL, 1988, S. 883
  12. Vgl. MUGLER, 1988, S. 183
  13. Vgl. SCHWALL, 1991, S. 2
  14. Augustinus: De civitate Dei XII 16, 60-61, zit. nach FLASCH, 1993, S. 7
  15. Obwohl diese Problemstellung nicht nur für Linguisten von Interesse ist, konnten bei der Bearbeitung dieses Themas in der einschlägigen Literatur keine Hinweise auf entsprechende Forschungsaktivitäten oder -ansätze gefunden werden.
  16. Die logisch orientierte Tempusliteratur untersucht insbesondere den Zusammenhang zwischen Tempus und Adverbien. Vgl. EHRICH/VATER, 1988, S. viii
  17. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 6
  18. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 6 f., FLASCH, 1993, 115 ff.
  19. In der Frage, was der Begriff ,Zeit' bedeutet, teilen sich die Erklärungen in zwei grundlegende Lager. Die Vertreter des ,absolutistischen' Standpunktes haben die Vorstellung, daß die Ereignisse bzw. Sachverhalte in der Zeit als inhaltsunabhängige Matrix" stehen. In diesem Zusammenhang spricht man auch von der Zeit als Meta-Uhr". Die Vertreter des ,relativistischen' Standpunktes sehen die Zeit durch Ereignisse bzw. Sachverhalte definiert die Zeit ist in den Ereignissen bzw. Sachverhalten. Beide Ansichten lokalisieren die Ereignisse bzw. Sachverhalte auf einem Zeitstrahl. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 15
  20. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 8, FLASCH, 1993, S. 81 ff.
  21. Transzendentaler Sinn bedeutet bei KANT: vor aller Erfahrung liegend. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 8
  22. Ebenda, 1983, S. 8
  23. Elser, 1992, S. 371
  24. Im Vergleich dazu systematisiert JESPERSEN (1924) nur sieben Tempora mit der Begründung, daß es für die zusätzlichen zwei Tempora bei MADVIG im Latein keine sprachliche Realisierung gibt. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 11 f. und Fußnote 15, S. 269
  25. Ebenda, 1983, S. 10
  26. Vgl. ebenda, 1983, Fußnote 15, S. 269
  27. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 12 ff.
  28. HERWEG, 1990, S. 116
  29. Unter ,Zeitcode' soll in diesem Zusammenhang das Muster, wie ,Zeit' in den Verben verschlüsselt ist, verstanden werden. VENDLER prägt in seinem Linguistics in Philosophy" (1967) den Begriff der time schemata" und fordert, das englische Verbsystem nach Zeitschemata zu klassifizieren. VENDLER selbst definiert den Begriff des Zeitschemas nicht explizit. HERWEG interpretiert allerdings auf der Grundlage von VENDLERs Ausführungen diesen Begriff als charakteristisches Bündel von temporalen Eigenschaften der Situationstypen, auf die sich die Verben beziehen". Vgl. HERWEG, 1990, S. 35
  30. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 15 ff.
  31. Die Zeitkonstitution nach FRANCOIS (1982) stellt die konzeptuelle Kategorie der Aktionsarten dar. Vgl. ANDERSSON, 1989, S. 29. In ähnlicher Weise hat ISACENKO (1962) die begriffliche Bedeutung der Zeitkonstitution mit dem von ihm geprägten Terminus ,Verbalcharakter' umschrieben, mit dem er hauptsächlich die semantischen Konzepte der Durativität und Frequentativität erfassen will. Vgl. KRIFKA, 1989, S. 96
  32. Vgl. ANDERSSON, 1989, S. 29 ff. und KRIFKA, 1989, S. 95 ff.
  33. Zit. n. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 16
  34. ,Dispositions' drücken keine echten" Sachverhalte aus, sondern lassen aus sich Schlußfolgerungen zu, z. B.: John Doe knows french". Im Gegensatz dazu machen ,occurrences' echte" Aussagen über Sachverhalte, z. B.: John Doe is speaking french". Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 270 und Fußnote 20
  35. Vgl. ebenda, 1983, S. 16
  36. Zit. n. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 17
  37. VENDLERs eigene Beispiele aus dem Englischen sind für ein ,state' z. B. die Verben love, know, believe, be. Andere Verben, wie z. B. run, draw, push a cart werden für die Kategorie ,activity' verwendet. Ein ,accomplishment' repäsentiert Situationstypen wie z. B. run a mile, draw a circle. Als Beispiele für ein ,achievement' nennt er Situationstypen wie reach the top, win the race, recognize. Vgl. VENDLER zit. n. HERWEG, 1990, S. 35
  38. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 17 und Fußnote 22, S. 270
  39. Zit. n. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 17
  40. Vgl. ebenda, 1983, S. 17 f.
  41. HERWEG, 1990, S. 9
  42. Vgl. KRIFKA, 1989, S. 102 ff.
  43. Vgl. SCHWALL, 1991, S. 94 ff.
  44. Vgl. HERWEG, 1990, S. 9
  45. Vgl. SCHWALL, 1991, S. 28
  46. Vgl. HERWEG, 1990, S. 15 ff.
  47. Zit. n. SCHWALL, 1991, 10 ff.
  48. ISACENKO, 1962, zit. n. SCHWALL, 1991, S. 10
  49. Vgl. ISACENKO, 1962, zit. n. SCHWALL, 1991, S. 12
  50. Vgl. ebenda
  51. Zit. n. SCHWALL, 1991, S. 28
  52. Ausgewählte Redebedeutungen des perfektiven Aspekts:
    • (1) Konkret-faktische Bedeutung, d.h. ein einzigartiges Faktum wird ausgedrückt,
    • (2) Anschaulich-exemplarische Bedeutung, d.h. eine Handlung wird in ihrer Handlung exemplarisch herausgestellt,
    • (3) Potentielle Bedeutung, d.h. eine potentielle Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit der Realisierung einer Handlung wird ausgedrückt. Vgl. BONDARKO, 1971, zit. n. SCHWALL, 1991, S. 28
  53. Vgl. DORFMÜLLER-KARPUSA, 1983, S. 25
  54. Vgl. BARIC et al., 1990, 133 ff., 250 ff., 256 ff.
  55. Vgl. ENGEL/MRAZOVIC, 1986, S. 113 ff.
  56. Vgl. BARIC et al., 1990, S. 279 ff., ENGEL/MRAZOVIC, 1986, S. 114 ff.

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