Seminarprojekt "Comicsprache"

Über das Projekt

In den 50-er Jahren wurde vor Comics gewarnt – vor ihrem schädlichen Einfluss auf die Bildung allgemein und vor einem Verfall von Stil und Wortschatz durch Comiclektüre im besonderen. Die darauf folgende, zum Teil heftige und polemische Diskussion innerhalb der Germanistik zeigt, welche Wertvorstellungen von Bildung, Stil und Literatur die Auseinandersetzung ausgelöst und begleitet haben.

Im Wintersemester 1999/2000 haben Germanistik-Studierende im Grundstudium zeitgenössische Comics mit unterschiedlicher Perspektive analysiert: Corinna Koithahn beschreibt die historische Entwicklung und Spezifik der aus Japan stammenden Mangas. Christian Bodden, Amina Lüddecke, Yvonne Pillen, Lars Tenberg und Patrick Vosskamp vergleichen die Weltbilder der Familie Duck und der Simpsons mit Blick auf deren jeweilige Nähe zur Wirklichkeit. Susanna, Bianca und Kerstin beschreiben die Geschichte der Mickey Mouse und deren Rezeption und Kritik in den 50-er und 60-er Jahren. Silvia Sperling und Stephan Weiß schließlich untersuchen mit Mitteln der Textstatistik die Sprache in Donald Duck-Comics mit Blick auf die häufig geäußerte Kritik an der Qualität von Comicsprache.

Alles in allem hat sich während der Arbeit mit und an Comics gezeigt, dass Comics eine literarische Gattung mit einer ihr eigenen – und mitnichten einförmigen oder gar phantasielosen oder zerstörenden – Sprache sind. Wer bei der Suche nach Comics auch über den europäischen Tellerrand schaut, kann vor allem in Japan eine schillernde Welt mit zahllosen Figuren und Text-, Erzähl und Zeichentraditionen entdecken. Wenn sich eines im Laufe des Projekts gezeigt hat, dann dies: „Die“ Comics gibt es ebenso wenig wie „die“ Comicsprache – die Gattung ist auch für die Sprach- und Literaturwissenschaft allemal einen zweiten und dritten Blick wert.

Hermann Cölfen

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