Neuerscheinung

Cover SDV 2-2012

Sprache und Datenverarbeitung (SDV)
36 Jahrgang 2012
Heft 2

E-Books – Fakten, Perspektiven und Szenarien

Die Frage, welchen Stellen- und Gebrauchswert E-Books künftig einnehmen werden, ist bis heute nicht befriedigend beantwortet. Das liegt zum einen daran, dass man nicht einfach von ‚den‘ E-Books sprechen kann, sondern dass man sie, analog zu Print-Books, weiter differenzieren muss (Belletristik, Sachbücher, Zeitungen und Zeitschriften, wissenschaftliche Monographien, wissenschaftliche Aufsätze etc.). Die Akzeptanz des Mediums E-Book hängt unmittelbar mit den Inhalten zusammen: So setzen sich E-Books im Bereich der Belletristik gegenwärtig deutlich besser durch als im Bereich wissenschaftlicher Publikationen (vgl. Lippmann et al. (2013): 50). Zum anderen spielen Fragen der technischen Handhabbarkeit, der Verfügbarkeit und der Haltbarkeit der Formate eine große Rolle – Letzteres vor allem im Bereich der Wissenschaft. Schließlich ändern sich auch die Publikationsgewohnheiten und -möglichkeiten, etwa durch Open-Source-Publikationen in der Wissenschaft oder verlagsunabhängige, von den AutorInnen produzierte E-Books in der Belletristik (zum Beispiel via Amazon im Kindle-Shop). Tages- und Wochenzeitungen haben durch ihre seit Jahren im Web kostenlos zur Verfügung gestellten Beiträge vor allem in der Generation der 20- bis 40-Jährigen die Erwartung erweckt, dass Erzeugnisse journalistischer Arbeit in der Regel kostenlos verfügbar sind. 

Es geht also bei der Einschätzung der Rolle von E-Books in den nächsten Jahren nicht nur um Praktikabilität, Modalität und Haltbarkeit, sondern auch um ökonomische Aspekte, ohne deren Berücksichtigung jede ohnehin nicht leicht zu erstellende Prognose und Erwartung noch spekulativer wäre. Anders gesagt: Die zunehmende Erwartungshaltung, dass digitale Publikationen für Rezipienten kostenfrei bleiben oder werden müssen, steht im Gegensatz zu den Erwartungen von Autoren und traditionellen Verwertern von Urheberrechten (Verlage). Dabei dürfte die materielle Dimension von Publikationen eine große Rolle spielen: Für ein gedrucktes Buch zahlt man eher, weil hier – stofflich fassbar – die Leistung des Verwerters offensichtlich ist. Beim E-Book hingegen ist der Produktionsaufwand weitaus weniger augenscheinlich, obwohl der gleiche oder gar ein höherer Aufwand für die Produktion betrieben worden ist als beim gedruckten Buch.

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